Am 31. März 2026 wird an der Universität Bonn ein wegweisendes Projekt vorgestellt, das sich mit der Untersuchung von Pupillenreaktionen und Augenbewegungen befasst. Diese sind ein zentrales Element in der neurologischen Diagnostik, besonders in der Notfallmedizin. Symptome wie Koma, Schwindel oder Doppelbilder können auf schwerwiegende Erkrankungen wie Schlaganfälle oder Hirnblutungen hinweisen. Die Erkennung und Einordnung solcher pathologischen Befunde erfordert jedoch viel Übung, was die Ausbildung von Medizinstudierenden herausfordert.
Das Projektteam um PD Dr. Johannes Weller am Zentrum für Neurologie des Universitätsklinikums Bonn (UKB) hat daher einen digitalen Simulator entwickelt. Dieser Simulator soll Studentinnen und Studenten die Möglichkeit bieten, das Training der Untersuchung von Pupillenreaktionen systematisch zu erlernen. Vorgesehen sind die Entwicklung, Test und Evaluation des didaktischen Nutzens der Anwendung, die bundesweit kostenlos zur Verfügung gestellt werden soll. Laut der Universität Bonn ist dies ein bedeutender Schritt zur Verbesserung der Ausbildung in der Neurologie und zur Steigerung der Versorgungsqualität in nicht nur lokalen, sondern auch überregionalen Notaufnahmen.
Automatisierte Pupillometrie als Diagnosewerkzeug
Ein weiterer wichtiger Aspekt der Neurologie ist die Automatisierung der Pupillenmessung, die durch Geräte wie das NPi-300 Pupillometer von NeurOptics revolutioniert wird. Diese Technologie ermöglicht eine quantitativen Messung der Pupillengröße und -reaktivität. Im Gegensatz zu herkömmlichen Methoden, bei denen Messungen manuell mit einer Stiftlampe durchgeführt werden, liefert die automatisierte Pupillometrie exakte und reproduzierbare Ergebnisse. Während manuelle Messungen subjektiv und vom Beobachter abhängig sind, konzentriert sich das NPi-300 auf objektive Datenerfassung.
Die Bedeutung der Pupillometrie ist in den Leitlinien des European Resuscitation Council (ERC) und der European Society of Intensive Care Medicine (ESICM) verankert, insbesondere für die Post-Reanimationsversorgung. Studien zeigen, dass der neurologische Pupillenindex (NPi) eine überlegene Fähigkeit besitzt, ungünstige Ergebnisse nach einem Herzstillstand vorherzusagen, im Vergleich zu manuellen Messungen.
Anwendungsgebiete und Prognosefähigkeit
Die Einsatzgebiete der automatisierten Pupillometrie sind vielfältig. Dazu gehören unter anderem Schlaganfall, Subarachnoidalblutung (SAB) und Schädel-Hirn-Trauma. Der NPi kann auch als Prognosewerkzeug nach Herzstillständen und Reanimationen genutzt werden. Dabei werden Messungen über so genannte „SmartGuards“ gespeichert, die auf PCs und in digitale Patientenakten übertragen werden können. Diese Speicherung ermöglicht eine detaillierte Dokumentation und einen Trendverlauf der Pupillenreaktion im Laufe der Zeit.
Technisch bietet das NPi-300 eine Kontaktlose induktive Ladung und eine Messgenauigkeit von +/- 0.03 mm. Die automatisierte Messung erfolgt innerhalb von drei Sekunden und erfasst bis zu 90 Bilder. Der NPi-Wert reicht von 0 bis 4,9, wobei Werte unter 3 als abnormal eingestuft werden. Der Unterschied zwischen den NPi-Werten beider Pupillen von ≥0,7 gilt ebenfalls als anormal und kann auf neurologische Störungen hinweisen.
Insgesamt zeigt sich, dass die Verbindung von innovativer Technologie und effizienter Ausbildung in der Neurologie entscheidend für die Verbesserung der Patientenversorgung in kritischen Situationen ist. Das Projekt an der Universität Bonn könnte hier einen entscheidenden Beitrag leisten.



