Das Forschungsteam des Exzellenzclusters „Kollektives Verhalten“ der Universität Konstanz hat bedeutende Fortschritte im Verständnis der vokalen Kommunikation von Purpurhühnern (Porphyrio melanotus melanotus) erzielt. Bei ihrer Untersuchung haben die Wissenschaftler überprüft, ob diese Vögel in der Lage sind, ihre Lautäußerungen zu kombinieren. Die Ergebnisse zeigen eine beachtliche Komplexität in der Lautbildung, die zuvor nur von intelligenten Tieren wie Primaten und Walen bekannt war.
In einem innovativen Ansatz platzierten die Forscher miniaturisierte Audiorekorder in den Nestern von 17 Purpurhuhn-Gruppen, um über mehrere Tage hinweg über 5000 störungsarme Lautäußerungen zu dokumentieren. Diese Laute wurden in dreizehn verschiedene Typen klassifiziert. Ein Drittel der Laute entsprach alleinstehenden Äußerungen, während der Rest in Kombination mit anderen Lauten verwendet wurde. Die Studie identifizierte zudem spezifische Regeln für die Zusammensetzung dieser Laute, die sich in unterschiedlichen Kontexten anpassen.
Neue Erkenntnisse zur Tierkommunikation
Besonders interessant sind die Ergebnisse, die auf eine strukturiertes Kommunikationssystem hindeuten. Das Team stellte fest, dass in aggressiven Situationen, wie etwa bei Schreifolgen, nur neun der dreizehn Laute vorkommen und dass sich die Anzahl der Rufe in diesen Sequenzen mit zunehmender Dauer verändert. Die Laute, die isoliert verwendet werden, besitzen dabei spezifische kommunikative Funktionen und können durch Prä- oder Suffixe in ihrem Informationsgehalt modifiziert werden. Diese Erkenntnisse könnten wichtige Hinweise über die Bedürfnisse und Emotionen der Purpurhühner liefern.
Die ursprüngliche Studie, veröffentlicht von G.E.C. Gall et al. in der Fachzeitschrift Animal Behaviour, hebt die Bedeutung dieser Forschung für das Verständnis der Tierkommunikation hervor. Die Arbeit wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Zukunftskolleg der Universität Konstanz gefördert.
Kontexte und gesellschaftliche Relevanz
Die Forschung zur Tierkommunikation erlangt zunehmend an Aufmerksamkeit und erfolgt oft in interdisziplinären Projekten, wie etwa einer Zusammenarbeit zwischen der Universität Konstanz, Tel Aviv University und Bar-Ilan University. Diese Studien haben sich unter anderem mit den akustischen Signalen von Tieren befasst, die eine wichtige Rolle in der Kommunikation spielen.
Die Wissenschaftler betonen, dass solche Signale, ähnlich wie menschliche Aufmerksamkeitssignale – denken wir an „Hey“ oder Gong – entscheidend sind, um die Konzentration der Artgenossen zu lenken. Diese Erkenntnisse lassen sich auf verschiedene Tierarten anwenden und könnten helfen, die evolutionären Kompromisse bei der Signalproduktion besser zu verstehen.
Die Anwendung neuer Technologien, einschließlich Künstlicher Intelligenz, hat die Erforschung der Tierkommunikation revolutioniert. Dies zeigt sich auch im aktuellen CETI-Projekt, das darauf abzielt, die Sprache von Pottwalen zu entschlüsseln. Ein weiteres Beispiel ist das deutlich verbesserte Verständnis von Hundelaute, welches durch KI-Analysen erreicht wurde. Diese technischen Fortschritte ermöglichen tiefere Einblicke in die Kommunikation zwischen Tieren und könnten einen erheblichen Einfluss auf den Artenschutz haben.
Insgesamt zeigen die aktuellen Forschungen zur Tierkommunikation, dass wir an der Schwelle zu einem besseren Verständnis der komplexen sozialen Strukturen und Kommunikationsformen im Tierreich stehen. Es bleibt zu hoffen, dass solche Studien auch ethische Fragen zum Wohl der Tiere in den Mittelpunkt rücken und zur weiteren Entwicklung der Forschung beitragen.