In den letzten Jahren ist ein besorgniserregender Anstieg von Verschwörungstheorien zu beobachten, insbesondere seit der Corona-Pandemie. Professor Skudlarek der Medizinischen Schule Berlin untersucht in seiner Dissertation, wie sich aus Individuen ein gemeinsames Handeln formiert und thematisiert die Rolle von Glück, Sinn und Wahrheit in der Sozialen Arbeit. Diese Disziplin ist gefordert, die Bedürfnisse der Menschen und deren grundlegende Rechte zu adressieren, insbesondere in Krisenzeiten, wo die Suche nach einfachen Antworten an Bedeutung gewinnt. Soziale Arbeit fragt nach Konflikten und deren Lösungen, unabhängig von der Zielgruppe, sei es bei Geflüchteten, Wohnungslosen oder Drogenkranken.

Verschwörungstheoretiker nutzen einfache Narrative, um komplexe politische Entscheidungen und gesellschaftliche Bedrohungen zu erklären. Diese Erklärungsbedarfe sind oft stark von Gefühlen und Ängsten geprägt. Zudem haben sich radikale Gruppierungen das Potenzial dieser Theorien zunutze gemacht, um Menschen zu mobilisieren, was nicht zuletzt die Gewaltbereitschaft in bestimmten Bevölkerungsgruppen ansteigen lässt. Laut medicalschool-berlin.de sind insbesondere rechte Spektren für die Verbreitung dieser Theorien anfällig, obwohl sie nicht exklusiv auf diese Gruppe beschränkt sind.

Wirkungen auf den sozialen Nahraum

Die Auswirkungen von Verschwörungsideologien auf den sozialen Nahraum sind gravierend. Ein Forschungsprojekt der Universität zu Köln, das sich mit völkisch-autoritär orientierten Verschwörungsideologien befasst, dokumentiert, wie diese extrem rechten Weltbilder Radikalisierungsprozesse befördern. Experten wie Prof. Dr. Gudrun Hentges weisen darauf hin, dass solche Ideologien häufig mit einer Ablehnung der liberalen Demokratie und Wissenschaftsfeindlichkeit verbunden sind. In Krisenzeiten, wie während der Fluchtmigration 2015/16 oder der Corona-Pandemie, erleben diese Ideologien einen Aufschwung und gefährden den gesellschaftlichen Zusammenhalt. geistes-und-sozialwissenschaften-bmftr.de hebt hervor, dass psychische Belastungen und Konflikte innerhalb von Freundschaften und Arbeitsbeziehungen zunehmen, was die Lebensqualität der Betroffenen stark beeinträchtigt.

Eine empirische Untersuchung in sechs Bundesländern, die für Februar und März 2024 geplant ist, wird eine quantitative Onlinebefragung von knapp 700 Fachkräften umfassen. Ziel ist es, Erfahrungen mit Verschwörungserzählungen in der professionellen Tätigkeit zu erfassen. Erste Erkenntnisse deuten darauf hin, dass über zwei Drittel der Befragten bereits mit solchen Erzählungen konfrontiert wurden. Eine zunehmende Bedeutung des Themas wird erwartet, nicht zuletzt aufgrund der psychosozialen Belastungen, die diese Ideologien auf das soziale Umfeld von Verschwörungsanhängern ausüben. Besonders Kinder und Jugendliche sind in ihrer Persönlichkeitsentwicklung gefährdet.

Prävention durch Soziale Arbeit

Die Rolle der Sozialen Arbeit in der Radikalisierungsprävention ist von zentraler Bedeutung. Diese Disziplin setzt an der individuellen Lebenswelt und den Bedürfnissen der Menschen an. Laut Jens Ostwaldt und Mathieu Coquelin, die Schnittmengen zwischen Sozialer Arbeit und Radikalisierungsprävention diskutieren, verfolgen beide einen unterschiedlichen Ansatz: Während die Radikalisierungsprävention eine Verhinderungslogik verfolgt, ist die Soziale Arbeit auf Ermöglichung fokussiert. Es wird betont, dass viele Präventionsprojekte als empowernde Sozialarbeit bezeichnet werden, jedoch aus einer präventiven Perspektive betrachtet werden sollten. Diese Differenzierung ist entscheidend, um effektive Strategien zur Radikalisierungsprävention zu entwickeln.

In diesem Kontext bietet die Beratungsstelle Veritas in Berlin Unterstützung für Menschen, die sich mit Radikalisierung auseinandersetzen. Die Prävention ist unerlässlich, um die Gefahren von Radikalisierung frühzeitig zu erkennen und zu behandeln. Einsparungen in der Sozialarbeit könnten langfristig zu einer Verschärfung von gesellschaftlichen Problemen führen, wodurch die Bedeutung dieser Disziplin nochmals unterstrichen wird. Studierende der Medizinischen Schule Berlin werden darauf vorbereitet, Räume für Menschen zu schaffen und gesellschaftliche Probleme systemisch anzugehen.

Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass die Herausforderungen durch Verschwörungstheorien und deren Auswirkungen auf die Gesellschaft und den sozialen Nahraum ernst genommen werden müssen. Prävention und Aufklärung müssen Hand in Hand mit der Sozialen Arbeit gehen, um den negativen Impulsen entscheidend entgegenzuwirken.