Eine umfassende Studie zur Thematik des Rechtspopulismus und Rechtsextremismus in Hochschulen zeigt alarmierende Ergebnisse. Die Untersuchung, durchgeführt von Dr. Christoph Haker und PD Dr. Lukas Otterspeer und gefördert durch die Otto-Brenner-Stiftung, bietet eine systematische Analyse des Forschungsstandes und identifiziert signifikante Forschungslücken. Besonders hervorgehoben wird dabei die Perspektive der Betroffenen, die oft nur unzureichend in die bestehenden Forschungsarbeiten einfließt.
Die qualitative Forschung umfasste Interviews mit einer Vielzahl von Betroffenen, darunter Studierende, wissenschaftliche Mitarbeitende, Professor*innen sowie Vertreter*innen von Antidiskriminierungsstellen. Die Ergebnisse zeigen ein widersprüchliches Verhalten rechtsextremer Akteur*innen, die sogar Prinzipien wie Toleranz nutzen, um Immunität gegen kritische Stimmen zu schaffen. Zudem wird die Wissenschaftsfeindlichkeit deutlich, die sich in Form von Diskriminierung, Bedrohung und Gewalt äußert.
Herausforderungen an Hochschulen
Eine zentrale Herausforderung, die die Studie identifiziert, ist die institutionalisierte Sprachlosigkeit und die organisierte Vereinzelung von Betroffenen. Diese Problematik wirkt sich besonders auf diejenigen aus, die sich gegen extreme rechte Akteur*innen wenden. Häufig stehen Betroffene vor der Herausforderung, allein oder in kleinen Gruppen Lösungen zu finden, was den Wunsch nach proaktiver Unterstützung durch Hochschulen verstärkt.
Die Arbeitsbedingungen im Wissenschaftsbetrieb, insbesondere Faktoren wie Befristungen, Pendelbelastung und umkämpfte Karrierewege, begünstigen die Betroffenheit. Um dem entgegenzuwirken, sind konkrete Handlungsoptionen vonnöten. Die Studienautoren schlagen vor, dass Hochschulen die Betroffenheiten anerkennen sollten. Das umfasst die Bereitstellung von klaren Ansprechpersonen sowie Unterstützung und Fortbildungsangebote für wissenschaftliche und administrative Mitarbeitende, um ein Umfeld zu schaffen, das geeignet ist, gegen die Sprachlosigkeit zu wirken.
Präventionsmaßnahmen in Schulen
Der Kontext der rechtsextremen und rassistischen Ideologien beschränkt sich jedoch nicht nur auf Hochschulen. Auch in Schulen spielt das Thema eine entscheidende Rolle. Diverse Materialien, bereitgestellt von verschiedenen Institutionen, zielen darauf ab, Lehrkräfte und Schulleitungen im Umgang mit diesem Thema zu sensibilisieren. Unter den angebotenen Materialien befinden sich Publikationen, die sich mit Radikalisierungsprävention, Fallmanagement und der Vermittlung demokratischer Werte befassen.
Einige bemerkenswerte Ressourcen umfassen die Publikation „Aufstehen! Nicht aussitzen!“ der Amadeu Antonio Stiftung, die sich an Pädagog:innen und Jugendliche richtet und Themen wie Antisemitismus und Verschwörungserzählungen behandelt. Ein weiteres Beispiel sind Angebote des Hessischen Kultusministeriums zur Demokratieerziehung und Extremismusprävention, die sich an Schulleitungen und Lehrkräfte richten.
Das Informations- und Dokumentationszentrum für Antirassismusarbeit hat damit begonnen, eine Vielzahl von Themen zu addressieren, wie Rechtsextremismus in Schulen und die Unterstützung von Betroffenen rechter Gewalt. Diese Materialien und Maßnahmen sind essentiell, um Betroffene zu schützen und rechtsextremen Aktivitäten an Schulen entgegenzuwirken.
Die Erkenntnisse dieser Studie und die vorhandenen Ressourcen zeigen die Dringlichkeit auf, im Bereich der Hochschul- sowie der schulischen Bildung effektive Strategien gegen Rechtspopulismus und Rechtsextremismus zu entwickeln und umzusetzen. Nur durch gemeinsames Handeln können die Herausforderungen, die sich durch solche extremistischen Strömungen ergeben, bewältigt werden.
Um mehr über die Studie zu erfahren, besuchen Sie bitte Universität Flensburg und um die Materialien zur Extremismusprävention in Schulen einzusehen, klicken Sie auf bpb.de.



