Der Automobilsektor steht vor der Herausforderung, einen nachhaltigen Übergang zur Kreislaufwirtschaft zu vollziehen. Neue EU-Vorschriften zielen darauf ab, die Umweltauswirkungen bei der Herstellung und Behandlung von Altfahrzeugen erheblich zu verringern. Dies wurde durch eine Mehrheit im Europäischen Parlament beschlossen, mit 431 Ja-Stimmen, 145 Nein-Stimmen und 76 Enthaltungen. Der Schritt folgt der festgestellten Notwendigkeit, die Nachhaltigkeit in der Automobilrecyclingindustrie in Europa zu stärken, wie [Europarl] berichtet.
Ein zentrales Ziel der neuen Richtlinie ist die Förderung des Recyclings und der Wiederverwendung von Fahrzeugteilen. Die Initiatoren betonen die Bedeutung einer verbesserten Konstruktion von Fahrzeugen, die es zukünftig ermöglichen soll, Teile leichter auszubauen und wiederzuverwenden. Insbesondere sollen mindestens 20 % recycelter Kunststoff in neuen Fahrzeugtypen integriert werden, und innerhalb von zehn Jahren ist ein Ziel von mindestens 25 % angestrebt, sofern der recycelte Kunststoff verfügbar ist.
Herausforderungen im Recyclingprozess
Das Recycling von Materialien aus alten Autos ist jedoch nicht trivial. [TU-Freiberg] hebt hervor, dass die Reinheit der Werkstoffe eine signifikante Herausforderung darstellt. Bei deutschen Fahrzeugen, die oft mit hochwertigen Materialien ausgestattet sind, erfordert die präzise Rückgewinnung von Legierungselementen, wie etwa Kupfer im Stahl oder Silizium im Aluminium, technisch aufwendige Trennprozesse. Aktuell sind nur 50 bis 80 % der Metalle wie Stahl, Kupfer und Aluminium durch optimales Recycling für die Wiederverwendung in neuen Automobilanwendungen zugänglich.
Besonders problematisch ist die Rückgewinnung von Autoglas und Kunststoffen. Das sortenreine Recycling von Glas gestaltet sich schwierig, da es häufig gefärbt und beschichtet ist, was die Wiederverwendungsraten erheblich mindert. Im Vergleich dazu funktioniert Altglas-Recycling besser, weil es farblich getrennt und nicht beschichtet ist. Auch bei Kunststoffen zeigt sich, dass nur geringe Anteile rein zurückgewonnen werden können, was die gesamte Recyclingeffizienz beeinträchtigt.
Regulatorische Maßnahmen und zukünftige Schritte
Neu geregelt wurde auch die Entsorgung und Ausfuhr von Altfahrzeugen. Hersteller müssen ab dem dritten Jahr nach Inkrafttreten der Richtlinie die Kosten für Sammlung und Behandlung tragen. Ein besonderes Augenmerk liegt auf der Unterscheidung zwischen Gebrauchtfahrzeugen und Altfahrzeugen sowie einem Ausfuhrverbot für letztere. Ko-Berichterstatter Jens Gieseke und Paulius Saudargas betonen die Initiative als Unterstützung der Kreislaufwirtschaft im Automobilsektor und der Ressourcensicherheit.
Um die neuen Anforderungen zu unterstützen, ist es notwendig, dass Industrie und Forschung zusammenarbeiten, um innovative Technologien zu entwickeln. Das Projekt „Car2Car“ ist ein Beispiel für einen solchen Ansatz, bei dem die Überwindung der Recycling-Hürden im Fokus steht. Der technische Fortschritt in der Materialreinheit und -qualität ist entscheidend dafür, dass diese Materialien in der Automobilindustrie wiederverwendet werden können.
Mit den Veränderungen zielt die EU darauf ab, den Grünen Deal und den Aktionsplan für die Kreislaufwirtschaft zu unterstützen. 2023 wurden in der EU rund 14,8 Millionen Kraftfahrzeuge hergestellt, von denen 12,4 Millionen neu zugelassen wurden. Auf den Straßen der EU sind aktuell etwa 285,6 Millionen Kraftfahrzeuge unterwegs, wobei jährlich rund 6,5 Millionen Fahrzeuge das Ende ihrer Lebensdauer erreichen. [Earth] verdeutlicht, dass die neuen Vorschriften den Weg für eine nachhaltigere Automobilindustrie ebnen und gleichzeitig die Umweltauswirkungen signifikant reduzieren könnten.