In der Ostsee stehen die Schweinswale vor ernsthaften Herausforderungen. Diese einzige heimische Walart hat sich in zwei getrennte Populationen aufgeteilt: die der zentralen Ostsee und die der Beltsee. Während die zentrale Ostsee-Population nur noch wenige hundert Individuen umfasst und akut vom Aussterben bedroht ist, zeigt auch die Beltsee-Population einen weiteren Rückgang und wurde als gefährdet von der Internationalen Union für Naturschutz (IUCN) eingestuft. Die Ursachen für diese problematischen Entwicklungen sind größtenteils menschlichen Ursprungs, doch bislang wurden nur begrenzte Schutzmaßnahmen ergriffen. Das neue Forschungsprojekt CUMBIAH hat sich zum Ziel gesetzt, effektive Schutzmaßnahmen zu entwickeln und das Überleben dieser faszinierenden Tierart zu sichern.

Das Projekt CUMBIAH, kurz für „Conservation Union for Management of the Baltic Harbour Porpoise Populations and Their Habitat“, wird von verschiedenen internationalen Partnern durchgeführt, darunter die Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover, die Universität Potsdam, sowie Institutionen aus Dänemark, Schweden, Polen, Estland, Finnland und Litauen. Es wird gefördert vom Bundesministerium für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMUKN).

Wissenschaftliche Ansätze und Methoden

Fundamentale Ziele des CUMBIAH-Projekts sind die Schätzung der Vorkommensdichte und Verbreitung der Schweinswalpopulationen sowie die Entwicklung effizienter Schutzstrategien. Um diese Ziele zu erreichen, werden verschiedene Methoden und Technologien eingesetzt. Dazu gehört die Entwicklung einer neuen Methode zur akustischen Identifizierung von Schweinswalkälbern, die zur Feststellung von Kalbungszeiten dient.

Außerdem werden Umwelt-DNA-Proben (eDNA) ausgewertet, um Informationen über die Lebensraumqualität und die Beutefischarten zu gewinnen, die für die Schweinswale essentiell sind. Das Projekt bezieht außerdem Daten über Fischereiaktivitäten ein, um das Risiko von Beifängen zu bewerten und mögliche Gefahren für die Populationen zu identifizieren.

Monitoring und Datenanalyse

Ein weiterer wichtiger Aspekt des Projekts ist das Totfundmonitoring. Durch die Untersuchung von toten Schweinswalen können Forscher Informationen über deren Zustand, einschließlich Alter, Ernährungszustand, Fortpflanzungsstatus und Krankheiten, sammeln. Zudem werden genetische Analysen durchgeführt, um die Individuen ihren Ursprungspopulationen zuzuordnen und die genetische Vielfalt sowie Trends innerhalb der Populationen zu ermitteln.

Die gesammelten Daten zu den Unterwasserlärmpegeln, die durch menschliche Aktivitäten verursacht werden, fließen ebenfalls in die Analysen ein, um schützenswerte Gebiete zu identifizieren. Zukünftige Monitoring-Kampagnen sollen durch die Implementierung eines einheitlichen Datenstandards effizienter gestaltet werden, was eine zentrale Datenhaltung und harmonisierte Messmethoden umfasst.

Öffentlichkeitsarbeit und Bildung

Die Ergebnisse der Forschung werden nicht nur der Fachwelt zugänglich gemacht, sondern sollen auch der Öffentlichkeit von Bedeutung sein. Informationsmaterialien werden durch Artikel, soziale Medien, Fernsehen und Ausstellungen verbreitet, um das Bewusstsein für die Bedrohungen und den Schutz der Schweinswale zu schärfen.

In Anbetracht der kritischen Situation der Schweinswalpopulationen in der Ostsee ist die Arbeit des CUMBIAH-Projektes von großer Bedeutung. Nur durch umfangreiche Forschung und effektive Schutzmaßnahmen können diese bemerkenswerten Meeressäuger möglicherweise gerettet werden. Tiho Hannover berichtet, dass das Projekt bereits vielversprechende Fortschritte zeigt und die Forschungsergebnisse entscheidende Informationen für die Zukunft liefern könnten. Das Deutsche Meeresmuseum hebt die Wichtigkeit dieses Projekts hervor, während weitere Institutionen aus verschiedenen Ländern die Bestrebungen unterstützen und daran arbeiten, nachhaltige Lösungen für den Schutz des Lebensraums der Schweinswale zu finden.