Der Wandel im akademischen Publizieren, insbesondere in den Wirtschaftswissenschaften, ist offensichtlich. Die Sichtbarkeit, Innovation und die Verbindung zum wissenschaftlichen Diskurs gewinnen zunehmend an Bedeutung. Laut Leuphana wird die langfristige Nachvollziehbarkeit, Wiederverwendbarkeit und Offenheit von Forschung immer relevanter. Diese Trends werden von dem Ansatz der Open Science unterstützt, der darauf abzielt, die Gesellschaft näher an die Wissenschaft zu bringen und den Zugang zu Forschungsergebnissen zu erleichtern.
Dr. Neumann und Prof. Dr. Oliver Genschow heben hervor, wie wichtig nachvollziehbare, wiederholbare und öffentlich zugängliche Forschung ist. Open Science eröffnet neue Chancen für Qualität, Kooperation und Wissenstransfer, was essenziell für die Glaubwürdigkeit von wissenschaftlicher Arbeit ist. Im Rahmen dieser Bewegung erscheint die Veröffentlichung „Expedition ins Open Science Land“, die kostenlos heruntergeladen werden kann und fünf Kapitel umfasst: Planung, Dokumentation, Verbreitung, Irrtümer und Reflexion.
Open Science und seine Prinzipien
Open Science steht im Einklang mit den FAIR-Prinzipien, also dass Forschungsergebnisse auffindbar, zugänglich, verknüpfbar und nachnutzbar sind. Dies wird vom DIPF gefördert, um eine Open Science-Kultur als Teil einer guten wissenschaftlichen Praxis zu etablieren. Durch offene Verfahren werden Transparenz und Nachprüfbarkeit von Ergebnissen, Daten und Methoden sichergestellt, wodurch die Wiederverwendbarkeit gefördert wird.
Offene praktische Ansätze, die durch innovative Infrastrukturen und Dienstleistungen unterstützt werden, sollen gleiche Zugangschancen zur Wissenschaft schaffen. Ein wesentliches Element ist die Beteiligung an Open-Science-Initiativen, welche die Etablierung offener Wissenschaft als Standard vorantreiben.
Dimensionen und Vorteile von Open Science
Im Rahmen von Open Science umfasst die Arbeit des DIPF mehrere Dimensionen:
- Publikationen (Open Access)
- Forschungsdaten (Open & FAIR Data)
- Forschungsmethodik (Open Methodology)
- Bildungsmedien (Open Educational Resources)
- Wissenschaftliche Software (Open Research Software)
- Infrastruktur (Open Infrastructure)
Das Verständnis von Open Science als offener Wissenschaftspraxis reicht weit über die Naturwissenschaften hinaus und schließt auch Geistes- und Sozialwissenschaften ein. Offene Veröffentlichungen, Bürgerbeteiligung und die Einbeziehung von Citizen Science sind wichtige Aspekte dieser Entwicklung. Ein bedeutender Schritt in Richtung Open Science war die UNESCO-Empfehlung zur offenen Wissenschaft im Jahr 2021, die diese Praktiken umfassend beschreibt.
Ein weiterer bedeutender Fortschritt ist die Ankündigung des Weißen Hauses im Jahr 2022, dass ab 2025 alle öffentlich geförderten Forschungsprojekte unverzüglich veröffentlicht werden müssen. Dies verspricht eine höhere Transparenz in der wissenschaftlichen Kommunikation und ein besseres Zugang zu Forschungsdaten.
In Europa und im deutschsprachigen Raum existieren zahlreiche Netzwerke sowie Einrichtungen, die sich mit der Förderung von Open Science beschäftigen. Zu den bekanntesten Initiativen zählt die European Open Science Cloud (EOSC), die eine zentrale Infrastruktur für die Bereitstellung offener Forschungsdaten bildet. Diese Entwicklungen sind jedoch nicht ohne Herausforderungen, da rechtliche Aspekte wie Urheberrecht, Persönlichkeitsrechte und Datenschutzrecht berücksichtigt werden müssen.