Am 20. Februar 2026 haben die FernUniversität in Hagen und die Inventivio GmbH offiziell das Projekt „Tactonom Communicator“ ins Leben gerufen. Dieses innovative Vorhaben hat zum Ziel, blinden und hochgradig sehbehinderten Menschen einen barrierefreien Zugang zu digitalen Bildungsangeboten zu ermöglichen. Ein zentrales Anliegen der Initiative ist die Entwicklung einer marktreifen Fernlernlösung, die das Fernlernen erleichtert und die digitale Teilhabe fördert.

Für viele blinde und sehbehinderte Menschen stellen herkömmliche Videokonferenzsysteme oft eine große Herausforderung dar, da diese in der Bedienung nicht optimal angepasst sind. Zudem bieten sie in der Regel keine Unterstützung für die Übersetzung gesprochener Sprache in die Brailleschrift. Der Tactonom Communicator hingegen wird mit einer Vielzahl praktischer Funktionen ausgestattet sein, die auf die besonderen Bedürfnisse dieser Nutzergruppe eingehen.

Innovative Funktionen des Tactonom Communicator

Das neue System integriert unter anderem einen zweiten Audiokanal und unterstützt bewährte Hilfsmittel wie den Tactonom Reader sowie moderne Vergrößerungsgeräte. Eine herausragende Funktion ist die automatische Bildbeschreibung, die durch den Einsatz von Künstlicher Intelligenz realisiert wird. Dies wird durch umfassende Braille-Unterstützung ergänzt und ermöglicht eine barrierearme Benutzeroberfläche für eine intuitive Bedienung.

Das Projekt zielt darauf ab, Hürden abzubauen und blinde Lernende durch die Unterstützung von Assistenten aus der Ferne zu fördern. Die Entwicklung wird vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie finanziell unterstützt und ist bis Oktober 2027 angesetzt. Die technische Umsetzung erfolgt durch die Inventivio GmbH auf Basis der Open-Source-Videolösung BigBlueButton, während das pädagogische Konzept von Axel Nattland und Dr. Anke Marks am Zentrum für Lernen und Innovation (ZLI) entwickelt wird.

Bedeutung für die Gesellschaft

In Europa leben mehr als 2,6 Millionen Menschen mit Sehbehinderungen, wobei 75 Prozent der blinden Menschen arbeitslos sind, hauptsächlich aufgrund unzugänglicher Arbeitsplätze. Das EU-Projekt Tactonom verfolgt das Ziel, digitale Inhalte für blinde Menschen taktil erfahrbar zu machen. Vor allem der Zugang zu grafischen Inhalten wie Tabellen, Statistiken oder Stadtplänen ist für diese Zielgruppe oft nicht möglich, was die Integration in die Gesellschaft stark einschränkt.

Die Entwickler von Inventivio haben das erste interaktive Gerät geschaffen, das es sehbehinderten Menschen ermöglicht, tastend auf Informationen zuzugreifen. Der Tactonom ist ein Gerät mit einem DIN A4 großen Touchpad, das digitale Inhalte in Braille und taktile Grafiken umwandelt. Diese Technologie verwendet über 10.000 kleine Metallkugeln, die durch Elektromagneten gesteuert werden, um Formen und Zeichen fühlbar zu machen. Geplant ist die Markteinführung des Tactonom in Europa für Ende 2022.

Assistive Technologien im Bildungskontext

Assistive Technologien spielen eine entscheidende Rolle für den inklusiven Bildungsbereich, wie Carola Werning in einem Interview betont. Sie ermöglichen Menschen mit Einschränkungen in verschiedenen Bereichen, einschließlich Sehen, einfachen Zugang zu Informationen und digitalen Medien. Dazu zählen Hardware wie alternative Eingabegeräte oder Software mit Vorlesefunktionen.

Für Kinder mit Behinderungen sind oft maßgeschneiderte Technologien erforderlich, etwa Screenreader für blinde Kinder oder Augensteuerungen für Kinder mit schweren motorischen Einschränkungen. Viele moderne Geräte beinhalten bereits nützliche Bedienungshilfen, die individuell anpassbar sind.

Insgesamt zeigt sich, dass der Tactonom Communicator und verwandte Technologien entscheidend sind, um die Lebensqualität blinder Menschen zu verbessern und ihnen eine gleichberechtigte Teilnahme an Bildung und Arbeitsleben zu ermöglichen. Der Tactonom Communicator ist ein Schritt in die richtige Richtung, um die Zugänglichkeit und Integration blinder und sehbehinderter Menschen in die digitale Welt zu fördern.

Für weitere Informationen über das Projekt und die verwendeten Technologien besuchen Sie FernUniversität in Hagen, BayFOR und Aktion Mensch.