Am 17. April 2026 wurde im Deutschen Ärzteblatt die S3-Leitlinie „Fiebermanagement bei Kindern und Jugendlichen“ veröffentlicht. Diese Leitlinie, erarbeitet unter der Federführung der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) und koordiniert von Prof. Dr. David Martin von der Universität Witten/Herdecke, stellt einen Paradigmenwechsel im Umgang mit Fieber dar. Der Fokus liegt dabei nicht auf der Temperatur selbst, sondern auf dem Wohlbefinden des Kindes.
Die neue Leitlinie liefert klare, wissenschaftlich fundierte Handlungsempfehlungen zum Fiebermanagement. Sie ist das Ergebnis der Zusammenarbeit mit 13 Fachgesellschaften und einem Patientenverband und wurde mit 200.000 Euro vom Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschusses gefördert. Im Rahmen eines Projekts mit dem Titel „Fit Für Fieber“ wird zudem die Umsetzung der neuen Leitlinie in einer Studie mit 60.000 Kindern untersucht, gefördert mit 2,6 Millionen Euro.
Fieber als Physiologische Reaktion
Die S3-Leitlinie behandelt Fieber als eine physiologische Abwehrreaktion des Körpers und nicht als sofort behandlungsbedürftiges Symptom. Eltern wird nahegelegt, bereits frühzeitig, idealerweise bei der ersten Impfung, über das Thema Fieber informiert zu werden. Die Temperaturmessung sollte altersgerecht durchgeführt werden: rektal für Säuglinge, mit Trommelfellthermometern für Kinder ab einem Jahr und oral für Jugendliche, wobei die axilläre und die Stirn-Messung als ungenau gelten.
Die neuen Empfehlungen fordern eine zurückhaltende Anwendung fiebersenkender Medikamente. Diese sollen nur bei sichtbarem Leiden des Kindes eingesetzt werden. Bei Warnerzeichen wie Bewusstseinsstörungen oder langanhaltender Atemnot ist eine sofortige ärztliche Abklärung notwendig. Besonders Kinder unter drei Monaten mit einer rektalen Temperatur von über 38 Grad müssen ärztlich untersucht werden.
Rationale Antibiotikatherapie
Eine der zentralen Empfehlungen der Leitlinie ist die Einschränkung des Einsatzes von Antibiotika. Fieber allein rechtfertigt keine Verschreibung dieser Medikamente. Diese Regelung soll helfen, die Patient:innensicherheit zu erhöhen und die Antibiotikaresistenzen zu bekämpfen. Laut der DGKJ sind die meisten Infektionskrankheiten bei Kindern nicht bakteriell bedingt, was die restriktive Anwendung von Antibiotika weiter unterstützt.
Die Leitlinie bietet nicht nur Orientierung für Ärzte und Pflegefachkräfte, sondern auch für Eltern im Umgang mit fiebernden Kindern. So ist es wichtig, angemessene nicht-medikamentöse Maßnahmen zu ergreifen: Zu den Empfehlungen zählen ausreichende Flüssigkeitszufuhr, ungestörter Schlaf und die Schaffung einer geeigneten Umgebungstemperatur. Unnötige Kühlung oder das Entkleiden des Kindes sind ebenfalls zu vermeiden.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die neue S3-Leitlinie ein umfassendes und evidenzbasiertes Konzept zur sicheren Handhabung von Fieber bei Kindern und Jugendlichen bereitstellt. Die klare Ansage, dass Fieber nicht automatisch behandelt werden muss, sondern vielmehr als eine natürliche Reaktion des Körpers gesehen werden sollte, markiert einen wichtigen Schritt in der kindermedizinischen Versorgung. Eltern, die über den richtigen Umgang informiert sind, können dazu beitragen, die Anzahl der Arztbesuche signifikant zu reduzieren und ihre Kinder bestmöglich zu unterstützen.