Am 14. Februar 2026 wurde bekannt gegeben, dass das Forschungsprojekt „GAP-ADHS“ der Philipps-Universität Marburg Fördermittel in Höhe von rund 1,3 Millionen Euro aus dem Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschusses erhalten hat. Unter der Leitung von Dr. Anna Szép, einer Expertin des Fachbereichs Psychologie, zielt das Projekt darauf ab, die Diagnose und Behandlung von Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) bei Mädchen, Frauen sowie trans- und geschlechterdiversen (TGD) Personen zu verbessern. Diese Gruppen erhalten häufig später eine ADHS-Diagnose oder sehen sich besonderen Hürden in der Gesundheitsversorgung gegenüber.
In den letzten Jahren hat sich gezeigt, dass die Prävalenz von ADHS bei Frauen und TGD-Personen vergleichbar oder sogar höher sein kann als bei Männern. Dennoch werden die atypischen Symptome dieser Patientengruppen oft übersehen oder falsch interpretiert, was zu häufigen Fehldiagnosen, wie etwa Depression oder Angststörung, führt. Diese ungerechte Versorgung hat ihre Ursachen in einem Mangel an Wissen bei Fachkräften und strukturellen Hürden innerhalb des Gesundheitssystems, die insbesondere Frauen und TGD-Personen benachteiligen.
Ziele und Methodik des Forschungsprojekts
Das Forschungsprojekt verfolgt mehrere zentrale Ziele. Das Team wird geschlechtsspezifische Unterschiede in der Diagnose und Behandlung systematisch erfassen. Im Rahmen qualitativer Interviews mit Betroffenen, Eltern und Fachkräften sowie durch die Analyse von Routinedaten einer Krankenkasse sollen typische Versorgungsverläufe identifiziert werden. Die Ergebnisse sollen letztlich in die Praxis überführt werden, etwa durch die Entwicklung von Checklisten für geschlechtersensible Diagnostik und spezifischen Weiterbildungsangeboten für Fachkräfte.
Von großer Bedeutung ist auch die Kooperation des Projekts mit diversen Partnern, darunter das Deutsche Krankenhausinstitut sowie mehrere Universitäten, Krankenkassen und Patientenorganisationen. Diese Zusammenarbeit ist essenziell, um ein umfassendes Bild über die Situation von Menschen mit ADHS zu erhalten und konkrete Handlungsempfehlungen zu formulieren.
Ressourcen und Unterstützung für Betroffene
Das Projekt ergänzt bestehende Angebote, die sich mit ADHS, insbesondere bei Frauen und Mädchen, befassen. Organisationen wie ADHS Deutschland e. V. bieten zahlreiche Hilfsangebote, darunter Selbsthilfegruppen und telefonische Beratungen. Diese Ressourcen decken verschiedene Themenbereiche ab, wie ADHS im Erwachsenenalter, in der Schule oder im Kontext von Hochbegabung.
Darüber hinaus fokussieren sich Angebote auf die Aufklärung und Unterstützung betroffener Eltern, Lehrer und weiterer Angehöriger. Die Bereitstellung von Psychotherapie und Coaching für Erwachsene mit ADHS sowie umfassende Ratgeber und Handbücher sind ebenfalls Teil des Unterstützungsangebots.
Durch die kombinierten Anstrengungen der Forschung und den vorliegenden Hilfsangeboten könnte die Lebensqualität von Menschen mit ADHS erheblich verbessert werden. Projektstart für „GAP-ADHS“ ist im April, und die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zeigen sich optimistisch, dass ihre Erkenntnisse eine gerechtere Gesundheitsversorgung für betroffene Gruppen ermöglichen werden.