In einer Zeit, in der medizinisches Wissen sich alle 73 Tage verdoppelt, steht die medizinische Gemeinschaft vor enormen Herausforderungen. Die Komplexität von medizinischen Leitlinien nimmt stetig zu, oft umfassen diese über 100 Seiten und verlangen nach präziser Umsetzung. Um Ärzt*innen bei diesem Dilemma zu unterstützen, hat die Charité – Universitätsmedizin Berlin das Projekt GUIDE-AI ins Leben gerufen. Dieses innovative Vorhaben wird mit 9,5 Millionen Euro über vier Jahre im Rahmen der Innovative Health Initiative der EU gefördert und zielt darauf ab, KI-basierte Assistenten zu entwickeln, die die Behandlungen gemäß den aktuellen medizinischen Leitlinien erleichtern sollen, wie MHB Fontane berichtet.

Das Konsortium von GUIDE-AI besteht aus 19 Partnern, die sich aus Forschungseinrichtungen, kleinen und mittleren Unternehmen, Patientenvertretungen sowie der Pharmaindustrie aus sieben europäischen Ländern und Israel zusammensetzen. Koordiniert wird das Projekt von Matthias Gröschel, während AstraZeneca das Projektmanagement übernimmt. Die Zielgruppe sind hauptsächlich ältere Menschen, da die neuen Leitlinien-Assistenten in verschiedenen europäischen Sprachen erstellt werden und lokale Vorgaben berücksichtigen sollen.

Fokus auf chronische Erkrankungen

Ein besonderer Fokus im Rahmen dieses Projekts liegt auf der Behandlung von vier chronischen Erkrankungen: Herzinsuffizienz vom HFrEF-Typ, chronische Nierenerkrankung (CKD), chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD) und Asthma. Insgesamt sind über 160 Millionen Menschen in Europa von diesen Erkrankungen betroffen. Die Herausforderung besteht darin, dass bei der Behandlung von Patienten viele Faktoren wie Blutdruck, Herzfrequenz und Nierenwerte berücksichtigt werden müssen.

Um die Wirksamkeit der KI-gestützten Assistenten zu evaluieren, wird eine Studie durchgeführt, die überprüft, ob Ärzt*innen mithilfe eines Navigators häufiger leitliniengerechte Therapien verordnen. Darüber hinaus sollen laienverständliche Informationen für Patient*innen bereitgestellt werden. Ein entscheidender Punkt ist auch der Datenschutz; um die europäischen Datenschutzrichtlinien einzuhalten, sollen die KI-Modelle auf lokalen Servern nutzbar sein.

Leitlinien und Wissensbewahrung

Parallel zu diesem innovativen Ansatz bietet die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie – Herz- und Kreislaufforschung e.V. eine Vielzahl von Leitlinien an, die in kompakter Form als Pocket-Leitlinien im DIN A6 Format zum Download oder als App erhältlich sind. Darüber hinaus gibt es die Möglichkeit, diese auch als Printversion zu bestellen. Die Master Pocket-Leitlinien beinhalten grafische Diagnose- und Therapiealgorithmen, die den medizinischen Fachkräften als praktische Hilfen dienen können, und sind ebenfalls in digitaler Form verfügbar, wie die Leitlinien der DGK ergänzen.

Für alle, die über aktuelle Entwicklungen informiert bleiben möchten, bietet die DGK die Möglichkeit, die Leitlinien als RSS-Feed zu abonnieren. PDF-Dokumente der Leitlinien sind leicht zugänglich, erfordern jedoch den kostenlosen Adobe Acrobat Reader zur Anzeige.

In dieser sich schnell entwickelnden medizinischen Landschaft ist die Integration von KI eine vielversprechende Lösung, um den Anforderungen an medizinisches Wissen und die damit verbundene Patientenversorgung gerecht zu werden. Weitere Informationen zu den Bestrebungen im Bereich der KI in der Medizin sind in dem Bericht der Bundesärztekammer zu finden.