Die Medizinische Hochschule Hannover (MHH) hat kürzlich einen bemerkenswerten Schritt in der medizinischen Diagnostik gemacht. Als erste Einrichtung in Deutschland und vierte weltweit hat sie ein Total-Body-PET/CT-System in Betrieb genommen. Dieses innovative Gerät, das ein Sichtfeld von etwa 150 Zentimetern bietet, ermöglicht die zeitgleiche Erfassung dreidimensionaler Bilder des gesamten menschlichen Körpers – und das in nur einem Schritt. Laut MHH könnte diese Technologie die Art und Weise, wie Ärzte Diagnosen stellen und Behandlungen planen, revolutionieren.
Der niedersächsische Wissenschaftsminister Falko Mohrs hebt die Vorreiterrolle des Bundeslandes in der Nuklearmedizin hervor. Durch die Einführung dieses Systems wird die Diagnostik in Bereichen wie Onkologie, Immunologie, Kardiologie und Neurologie signifikant verbessert. Die Kombination der Positronen-Emissions-Tomografie (PET) mit der Computertomografie (CT) verspricht eine präzisere und schnellere Untersuchung der Patienten.
Technische Vorteile des neuen Systems
Das Total-Body-PET/CT-System unterscheidet sich erheblich von der bisherigen PET/CT-Anlage der MHH, die lediglich ein Sichtfeld von rund 25 Zentimetern hatte. Mit der neuen Technik wird eine ganze Körperdiagnostik vom Scheitel bis zum Oberschenkel möglich. Die Bildgebung erfolgt nun in weniger als einer Minute und benötigt dabei weniger Strahlung. Dies bedeutet, dass die Untersuchungen für die Patienten schonender gestaltet werden können.
Ein weiterer Vorteil ist die verbesserte Bildqualität des neuen Systems, welches eine Auflösung von bis zu drei Millimetern erzielt, im Vergleich zu über vier Millimetern bei herkömmlichen Geräten. Der Fortschritt in der Bilddarstellung könnte dazu führen, dass Ärzte die frühzeitige Erkennung des Therapieerfolgs bei Krebserkrankungen optimieren und die Therapie anpassen können, basierend auf neuesten Erkenntnissen und Technologien.
Erweiterte Kapazitäten und Forschungsanwendungen
Dank des neuen Systems ist das Team der Klinik für Nuklearmedizin in der Lage, pro Tag mehr Patienten zu untersuchen. Diese gesteigerte Effizienz kommt nicht nur den Patienten zugute, sondern auch der medizinischen Forschung. Die Hochschule plant, das Gerät zur Entwicklung neuer Tracer und Medikamente zu nutzen, was langfristig sowohl der Behandlung als auch der Erforschung von Krankheiten zugutekommen könnte.
Zur Einführung des Total-Body-PET/CT-Systems fand ein wissenschaftliches Eröffnungssymposium statt, bei dem Prof. Dr. Simon Cherry als Hauptredner auftrat. Seine Expertise und die umfassenden Möglichkeiten, die aus der Nutzung dieser neuen Technologie entstehen, wurden von den Teilnehmern sehr geschätzt. Solche Initiativen und Innovationen positionieren Niedersachsen und insbesondere die MHH an der Spitze der medizinischen Forschung und Technologien.