Harnwegsinfektionen zählen zu den häufigsten Gründen für die Verschreibung von Antibiotika. Konventionelle Methoden zur Bestimmung der Erreger benötigen dafür zwei bis drei Tage, was sowohl die Behandlung verzögert als auch die Gefahr erhöht, multiresistente Keime zu fördern. Ein internationales Forschungsteam, bestehend aus Experten der Justus-Liebig-Universität Gießen, des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung, der Inland-Universität Norwegen sowie der Universitäten Oslo und Aarhus, hat nun ein Verfahren zur schnellen Diagnose entwickelt, das die Zeit des Testens erheblich verkürzt.

Die bedeutenden Ergebnisse dieser Forschung wurden in der Fachzeitschrift „Nature Communications“ veröffentlicht und könnten die klinische Praxis revolutionieren. Jährlich sind weltweit etwa 405 Millionen Menschen von Harnwegsinfektionen betroffen, was die Dringlichkeit einer effizienten Diagnostik unterstreicht.

Neue Technologien in der Diagnostik

Die neu entwickelte Methode kombiniert direkte DNA-Sequenzierung mit einer Echtzeit-Datenanalyse. Dies ermöglicht eine präzise Erreger- und Antibiotikaresistenzprofilierung innerhalb von etwa vier Stunden. Besonders bemerkenswert ist die hohe Genauigkeit der Methode: In 99% der Fälle wird das verursachende Bakterium korrekt identifiziert, und die Vorhersagegenauigkeit für die Antibiotikaempfindlichkeit liegt bei 90%.

Zusätzlich zu den diagnostischen Vorteilen könnte diese Methode bis zu 30% kostengünstiger sein als herkömmliche Verfahren. Diese Kosteneffizienz ist von entscheidender Bedeutung für die Implementierung neuer Technologien in Krankenhäusern, wo begrenzte Ressourcen oft die Einführung innovativer Lösungen hemmen.

Vorteile für Patienten und Krankenhäuser

Der Einsatz dieser schnellen Diagnosetechnologie würde sowohl den Antibiotikaeinsatz optimieren als auch unnötige Behandlungen vermeiden. Dies trägt zur Verringerung des Risikos von Resistenzentwicklungen bei, die in der modernen Medizin zu einer ernsthaften Bedrohung geworden sind. Zudem könnten verkürzte Krankenhausaufenthalte und zielgerichtete Therapien zu erheblichen Kosteneinsparungen für Gesundheitssysteme führen.

Insgesamt könnte die Einführung dieser schnelleren und genaueren Diagnosetechniken die Behandlung von Harnwegsinfektionen grundlegend verbessern und dabei helfen, eine weitere Zunahme multiresistenter Keime zu verhindern. Dies ist ein Schritt, der nicht nur die Lebensqualität der Patienten erhöht, sondern auch der Gesundheitssysteme weltweit zugutekommt.