Sepsis bleibt eine der größten Herausforderungen im deutschen Gesundheitswesen, mit jährlich rund 75.000 Todesfällen, die oft durch frühzeitige Diagnose und optimierte Behandlung hätten verhindert werden können. Diese besorgniserregende Situation spiegelt die Defizite in der Versorgung wider, die in den Bereichen Prävention, Früherkennung, Diagnostik, Therapie und Nachsorge bestehen. Das aktuelle Projekt optiSEP zielt darauf ab, diese Versorgung entscheidend zu verbessern.
Unter der Leitung der Universität Leipzig und mit Unterstützung der Universität Duisburg-Essen (UDE) sowie weiteren Partnern wird das Projekt mit 7,5 Millionen Euro vom Innovationsausschuss des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) gefördert. Der Fokus liegt auf der sektorenübergreifenden digitalen Vernetzung von Routinedaten aus allen Behandlungsphasen, um eine schnellere und präzisere Diagnostik zu gewährleisten.
Optimierung der Sepsisversorgung
Ein zentrales Ziel von optiSEP ist die Entwicklung datengestützter Entscheidungshilfen, die eine frühzeitige Erkennung schwerer Krankheitsverläufe ermöglichen und klinische Entscheidungen beschleunigen sollen. Dies wird speziell durch die Standardisierung von Behandlungspfaden erreicht, die die Umsetzung evidenzbasierter Leitlinien für Sepsis unterstützen.
Ein ebenso wichtiger Bestandteil des Projektes ist ein patientenorientiertes Nachsorgekonzept, das darauf abzielt, langfristige gesundheitliche Folgen nach überstandener Sepsis zu minimieren. Diese Maßnahmen sollen nicht nur die akute Behandlung, sondern auch die Folgen für die Patientinnen und Patienten in den Blick nehmen.
Technologische Fortschritte
Ein besonders innovativer Aspekt des optiSEP-Projekts ist die Anwendung der molekularen Erregerdiagnostik mittels Next-Generation Sequencing (NGS). Diese modernste Technologie erlaubt den direkten Nachweis von Erregern anhand ihres genetischen Materials, selbst wenn es sich um schwer kultivierbare Keime handelt oder die Patientin bzw. der Patient sich in einer Antibiotikatherapie befindet. Dadurch soll es möglich werden, antiinfektive Therapien schneller und gezielter anzupassen, was in zeitkritischen Verläufen von größter Bedeutung ist.
Prof. Dr. Thorsten Brenner, der Projektleiter, hebt die Notwendigkeit einer nahtlosen Zusammenarbeit aller beteiligten Akteure hervor. Nur so könne eine schnelle und sichere Behandlung der Patientinnen und Patienten gewährleistet werden. Die Rolle des G-BA ist hier ebenfalls von zentraler Bedeutung, da dieser über die Erstattungen in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) entscheidet und somit den finanziellen Rahmen für die Umsetzung der Projektziele festlegt.