Am 19. Februar 2026 hat der Forschungsverbund FOR 5250 von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) eine Förderung von 4,4 Millionen Euro für die nächsten vier Jahre erhalten. Ziel dieser Förderung ist die Verbesserung von Zahnimplantaten, um Implantatverluste zu vermeiden. Diese Verluste sind ein häufiges Problem, das auf verschiedene Faktoren zurückzuführen ist, darunter Gewebeabbau durch Entzündungen, ungünstige biomechanische Belastungen und unzureichende Knochensubstanz. Implantate, die meist aus Titan bestehen, werden als künstliche Zahnwurzeln in den Kieferknochen eingepflanzt, jedoch heilen sie manchmal nicht fest genug ein oder verlieren ihre Stabilität.
Um dieser Herausforderung zu begegnen, wird an der Entwicklung maßgeschneiderter, personalisierter Implantate gearbeitet, die auf die individuelle Knochensituation und Kaubelastung der Patienten zugeschnitten sind. Prof. Dr. Meike Stiesch von der Klinik für Zahnärztliche Prothetik und Biomedizinische Werkstoffkunde der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) leitet die medizinischen Aspekte dieses interdisziplinären Projekts. Die Technische Universität Dortmund arbeitet technisch im Rahmen dieses Projekts mit.
Innovative Herstellungsverfahren
Ein zentraler Bestandteil der Implantatentwicklung ist der Einsatz von computergestützten Simulationsverfahren. Diese ermöglichen die präzise Bestimmung von mechanischen Spannungen im Kieferknochen. Zudem wird die Fertigung der Implantate mittels 3D-Druck erfolgen. Dieses Verfahren hat sich bereits in der Zahntechnik etabliert und ermöglicht die Herstellung hochpräziser Bauteile, die an die individuellen Knochenstrukturen der Patienten angepasst werden können.
Die 3D-Drucktechnologie in der Zahntechnik hat in den letzten Jahren stark an Bedeutung gewonnen. Die Anwendungsmöglichkeiten reichen von der Herstellung von Schablonen für Kieferorthopädie und Kieferchirurgie bis hin zur Implantologie. Dabei kommen verschiedene Drucktechnologien, wie SLA (Stereolithographie) und SLS (Selektives Lasersintern), zum Einsatz, die jeweils eigene Vorteile hinsichtlich Präzision und Materialvielfalt bieten.
Technische Anforderungen und Materialien
Wichtige Materialien im 3D-Druck für die Zahntechnik sind Kunststoffe wie PMMA und PEEK, Keramiken wie Zirkoniumdioxid und Lithiumdisilikat sowie Metalle wie Titan. Diese Materialien fördern die Innovation und Effizienz in der Branche. Insbesondere die Entwicklung neuer Beschichtungen, darunter Magnesium-Legierungen, soll die Knocheneinheilung verbessern und antibakterielle Eigenschaften bieten.
Zusätzlich wird die Oberflächenbehandlung der Implantate durch Sandstrahlen und Ätzen optimiert, um die Knocheneinheilung weiter zu fördern. Auch spezielle Anforderungen für ältere Menschen mit weniger stabilen Kiefern werden im Rahmen der Forschung berücksichtigt. Dieser interdisziplinäre Ansatz umfasst Institutionen wie die MHH, die Technische Universität Dortmund und die Leibniz Universität Hannover.
Zukunftsperspektiven und Herausforderungen
Das Potenzial des 3D-Drucks ist enorm: Individualisierte Zahnprothesen sind durch diese Technologie möglich, was maßgeschneiderte Passformen und eine erhöhte Produktionsgeschwindigkeit bedeutet. Darüber hinaus trägt die Technologie zur Reduzierung von Materialabfällen bei. Dennoch gibt es Herausforderungen, wie die Entwicklung hochqualitativer, biokompatibler Materialien und die Gewährleistung der genauen Maßhaltigkeit gedruckter Teile. Die Integration dieser Technologien erfordert daher eine fortlaufende Schulung und Weiterbildung des Fachpersonals.
Die Zukunft des 3D-Drucks in der Zahntechnik wird von Innovation und Effizienz geprägt sein. Auch das Training mit 3D-gedruckten Modellen wird eine zentrale Rolle in der praxisnahen Ausbildung von Studierenden und Fachkräften einnehmen. Patienten profitieren nicht nur von präziseren Implantaten, sondern auch von einer verbesserten Kommunikation durch visualisierte Aufklärung vor operativen Eingriffen, was das Vertrauen und die Zufriedenheit der Patienten steigert. Die Entwicklungen in diesem Bereich sind nicht nur ein Fortschritt für die Zahnmedizin, sondern auch ein Beispiel für den Wandel, den digitale Technologien in der Gesundheitsversorgung mit sich bringen können, wie rahn-group.com und dentalbase.de erläutern.