Die Universität Witten/Herdecke (UW/H) hat ein bedeutendes Forschungsprojekt ins Leben gerufen, das die Schulung von Kindern und Jugendlichen mit Typ-1-Diabetes revolutionieren könnte. Das Projekt mit dem Namen „Ganzheitliche interdisziplinäre Diabetes-Gruppenschulung für Kinder“ (GaDiaKi) hat das Ziel, betroffene Heranwachsende frühzeitig im Umgang mit ihrer Erkrankung zu schulen und gleichzeitig ihre Familien zu entlasten. Typ-1-Diabetes, eine häufige chronische Stoffwechselerkrankung, erfordert eine kontinuierliche Begleitung und Unterstützung, um Folgeerkrankungen zu vermeiden.
In Deutschland drängt die Zeit: Die Anzahl kindgerechter Diabetes-Gruppenschulungen nimmt ab. Um dem entgegenzuwirken, setzt GaDiaKi darauf, ein erprobtes Schulungskonzept auf kinderdiabetologische Zentren zu übertragen und weiterzuentwickeln. Geplant sind Schulungen in alltagsnahen Umgebungen wie Jugendherbergen oder Familienbildungsstätten. Ein interprofessionelles Team, bestehend aus Fachleuten der Kinder- und Jugenddiabetologie, Psychologie, Sozialpädagogik und Ernährungsberatung sowie jungen Erwachsenen mit Typ-1-Diabetes, wird die Schulungen leiten. Dies soll durch eine wissenschaftliche Begleitung ergänzt werden, um die Wirksamkeit der Maßnahmen zu überprüfen.
Ein umfassendes Schulungsprogramm
Die Schulungen werden über einen Zeitraum von fünf bis sieben Tagen durchgeführt und umfassen 15 bis 20 Kinder und Jugendliche pro Gruppe. Dabei zählt nicht nur die Vermittlung von Theorie, sondern auch praxisnahes Lernen. Die Inhalte variieren je nach individuellen Bedürfnissen und können folgende Themen umfassen:
- Aufklärung über Typ-1-Diabetes und mögliche Folgeerkrankungen
- Selbstmanagement-Training für eine eigenverantwortliche Behandlung
- Blutzuckerkontrolle und Insulintherapie
- Einschätzung des Kohlenhydratgehalts von Lebensmitteln
- Handeln bei Unter- oder Überzuckerung
- Wichtige Informationen für spezielle Lebenssituationen wie Reisen oder Sport
Das Ziel dieser umfangreichen Schulungsprogramme ist es, die Betroffenen in die Lage zu versetzen, sich aktiv mit ihrer Erkrankung auseinanderzusetzen. Stärkung der Selbstständigkeit, Erhöhung der Therapiezufriedenheit und die Reduktion der Angst vor Unterzuckerung sind angestrebte Ergebnisse.
Innovative Ansätze und Finanzierung
Das Projekt GaDiaKi wird mit rund 4,4 Millionen Euro vom Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschusses unterstützt und läuft vom 01. Februar 2026 bis zum 31. Januar 2029. Am 27. Februar 2026 findet ein Kick-off-Meeting an der UW/H statt, zu dem Schulungszentren, Betroffene sowie Interessierte eingeladen sind. Eine Anmeldung ist unter gadiaki@uni-wh.de möglich. Weitere Informationen sind auf der Projektwebsite verfügbar.
In Deutschland gibt es bereits eine Vielzahl von zertifizierten Schulungs- und Behandlungsprogrammen für Menschen mit Diabetes mellitus, die vom Bundesversicherungsamt (BVA) und der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) genehmigt sind. Diese Programme sind darauf ausgelegt, den Bedürfnissen von Kindern und Jugendlichen zu entsprechen und beinhalten einen strukturierten Ansatz, der auch psychische Aspekte des Lebens mit Typ-1-Diabetes berücksichtigt.
Die Inhalte orientieren sich nicht nur am medizinischen Wissen, sondern auch an der praktischen Anwendung, um die Heranwachsenden in ihrem Alltag zu unterstützen. Wichtig ist zudem die Evaluation und Anpassung der Programme an die individuellen Wünsche der Teilnehmenden.
Letztlich stellen Schulungsangebote wie GaDiaKi, die in einem strukturierten und unterstützenden Umfeld stattfinden, einen wichtigen Schritt dar, um die Lebensqualität von Kindern und Jugendlichen mit Typ-1-Diabetes sowie deren Familien maßgeblich zu verbessern. In den letzten Jahren hat sich zudem gezeigt, dass frühzeitige und fundierte Schulungen nicht nur die Akzeptanz der Krankheit fördern, sondern auch langfristig die Gesundheit der Betroffenen sichern.