Ein internationales Forschungsteam der Universität Tübingen hat eine spannende Untersuchung zur Fundstelle Jojosi in Südafrika durchgeführt. Diese Stätte, die vor mehr als 220.000 Jahren genutzt wurde, bietet neue Einblicke in die gezielte Rohstoffnutzung unserer Vorfahren. Menschen dieser Epoche haben nicht einfach beiläufig Steine gesammelt; sie bauten hier aktiv Hornfels ab, um Materialien für ihre Werkzeuge zu gewinnen, wie uni-tuebingen.de berichtet.
Die Fundstelle Jojosi ist nicht nur eine archeologische Sensation, sondern auch ein wichtiges Fenster in die Vergangenheit des Homo sapiens. Gelegen in einer Graslandschaft, etwa 140 Kilometer von der Küste des Indischen Ozeans entfernt, entstand sie durch geologische Prozesse im Pleistozän, die die Hornfelsschichten frei legten. Was die Forscher dort fanden, war beeindruckend: Blöcke, Abschläge, Produktionsabfälle und Hammersteine. Die Abwesenheit von Endprodukten deutet darauf hin, dass die Stätte gezielt für die Rohstoffgewinnung aufgesucht wurde.
Langfristige Nutzung und Artefaktvielfalt
Durch Lumineszenzdatierung konnte nachgewiesen werden, dass die Nutzung der Fundstelle mindestens bis 110.000 v. Chr. zurückreicht. Die Ausgrabungen, die 2024 begannen, brachten außergewöhnliche Funddichten zutage: Bis zu zwei Millionen Artefakte pro Kubikmeter. Um auch kleinste Abschläge zu erfassen, wurden die Sedimente sorgfältig gesiebt. Insgesamt wurden 353 Artefakte in sogenannte Refits zusammengesetzt, um den komplexen Arbeitsablauf der damaligen Menschen besser nachvollziehen zu können.
Diese Ergebnisse belegen nicht nur die cleveren Ressourcenplanungen, sondern erweitern auch das Verständnis darüber, wie früh Homo sapiens ihre Umgebung verstand und nutzte. Sie stellt die Annahme in Frage, dass die ersten Techniken der Steinbearbeitung bloß zufällig und nicht strategisch erlernt wurden.
Schlüsselfunde im Zusammenhang mit der Pinnacle-Point-Kultur
In einem weiteren Kontext stehen die Funde aus Jojosi in Verbindung mit den so genannten Pinnacle-Point-Menschen. Diese Gruppe wird oft als Ursprung von bedeutenden Artefakten in den Pinnacle-Point-Höhlen bezeichnet, die bereits 2007 wissenschaftlich beschrieben wurden. Hierbei handelt es sich um über 1800 Steingeräte und einige der ältesten Belege für die Verwendung von Pigmenten durch archaischen Homo sapiens, datiert auf etwa 164.000 Jahre. Diese Funde zeigen, dass das kreative Potenzial der frühen Menschen lange vor dem allgemein angenommenen „großen kulturellen Sprung“ vorhanden war, wie auch de.wikipedia.org unwidersprochen feststellt.
Zudem liefern die Fundstellen über 50 Hämatit-Stücke, die reich an Eisenoxid sind und möglicherweise zur Verzierung oder zur Verbindung von Werkzeugen genutzt wurden. Der Zusammenhang zwischen Nahrung und Technologie wird durch den Fund von Muschelschalen und das Wissen um Meeresfrüchte, die vor 150.000 Jahren konsumiert wurden, gestärkt – ein Beweis für die Anpassungsfähigkeit der Menschen während der Dürrephasen in der Eiszeit.
Auf diese Weise ermöglicht die Erforschung von Jojosi nicht nur einen Blick auf die Fähigkeiten unserer Vorfahren, sondern auch auf die komplexen Lebensstrategien, die sie entwickelten, um in einer sich ständig verändernden Umwelt zu überleben. Diese Erkenntnisse sind nicht nur für die Archäologie von Bedeutung, sondern auch für das Verständnis der menschlichen Evolution insgesamt.