Jährlich erleiden über 200.000 Menschen in Deutschland einen Herzinfarkt. Diese Gesundheitskrise ist vor allem auf verstopfte Herzkranzgefäße zurückzuführen, die die Blut- und Sauerstoffversorgung des Herzmuskels beeinträchtigen. Abgestorbenes Gewebe vernarbt und führt potenziell zu Herzinsuffizienz, einer ernsthaften Erkrankung, die oft fatale Folgen hat. Die Herausforderung besteht darin, die begrenzte Fähigkeit des Herzens zur Selbstregeneration effektiv zu unterstützen.
Forschende unter der Leitung von Prof. Dr. Kai Wollert an der Medizinischen Hochschule Hannover haben nun einen bahnbrechenden Signalweg entdeckt, der eine Schlüsselrolle bei der Bildung neuer Blutgefäße spielt. Ein Mikroprotein mit dem Namen BRICK1 wurde als wesentlich für die Reparatur des geschädigten Infarktgewebes identifiziert. Laut der Studie stimuliert BRICK1 die Endothelzellen zur Bildung neuer Blutgefäße und schützt funktionsfähige Herzmuskelzellen vor weiteren Schäden. Diese Erkenntnisse könnten das Potenzial haben, die Behandlung von Herzinfarkten entscheidend zu verbessern.
Die Funktion von BRICK1
Das Protein BRICK1 besteht aus 75 Aminosäuren und wurde ursprünglich in Mais entdeckt. Es ist im Pflanzen- und Tierreich verbreitet und hat sich über die Evolution kaum verändert. Nach einem Herzinfarkt wird BRICK1 von absterbenden Makrophagen freigesetzt, was den Heilungsprozess im geschädigten Gewebe ankurbeln kann. In Studien an Mäusen wies das Fehlen von BRICK1 gravierende Folgen auf: Es kam zu einer gestörten Mikrogefäßbildung und schwerer Herzinsuffizienz. Im Gegensatz dazu verbesserte die Behandlung mit BRICK1 signifikant die Herzfunktion und förderte die Gefäßbildung.
Die Ergebnisse dieser Forschergruppe wurden kürzlich in der Fachzeitschrift Science Translational Medicine veröffentlicht. Zudem haben die Wissenschaftler die Anwendung von BRICK1 bereits zum Patent angemeldet und sind aktiv auf der Suche nach einem Industriepartner für die Durchführung klinischer Studien.
Kontext der Herz-Kreislauf-Erkrankungen
Herz-Kreislauf-Erkrankungen stellen die führende Todesursache in Deutschland dar und verursachen etwa 40 Prozent aller Sterbefälle. Dazu zählen unter anderem koronare Herzkrankheit, Herzinfarkt und Schlaganfall. Diese Krankheiten verursachen erhebliche individuelle Krankheitsfolgen und hohe gesellschaftliche Kosten.
Ein nicht zu unterschätzender Aspekt sind die beeinflussbaren Risikofaktoren, die unter anderem kardiometabolische Erkrankungen wie Hypertonie, Diabetes mellitus, sowie Verhaltensweisen wie Rauchen und körperliche Inaktivität umfassen. Gesundheitsbewusstes Verhalten und medikamentöse Therapien können erheblich zur Reduktion dieser Risikofaktoren beitragen. Dies unterstreicht das große Präventionspotential, das in der Bekämpfung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen besteht, wie das Robert Koch-Institut feststellt.
Die Entdeckung von BRICK1 könnte somit nicht nur eine neue therapeutische Option darstellen, sondern auch einen wichtigen Fortschritt im Verständnis der biologischen Prozesse nach einem Herzinfarkt bieten, was angesichts der alarmierenden Statistiken über Herz-Kreislauf-Erkrankungen besonders bedeutsam ist.
MHH und RKI berichten über den aktuellen Stand der Forschung und die Bedeutung von BRICK1 im Umgang mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen.