Ein Forschungsteam der Philipps-Universität Marburg hat einen vielversprechenden Ansatz zur Behandlung von therapieresistentem hormonrezeptor-positivem, HER2-negativem Brustkrebs entdeckt. In der aktuellen Studie, veröffentlicht in der Fachzeitschrift „Cell Death & Disease“, zeigen die Wissenschaftler, dass Tumorzellen, die gegen CDK4/6-Inhibitoren resistent sind, eine bislang unerkannte metabolische Verwundbarkeit aufweisen. Diese Erkenntnisse könnten potenziell die Therapieoptionen für betroffene Patientinnen erweitern. Rund 70 % aller Brustkrebserkrankungen gehören zu diesem Subtyp, für den CDK4/6-Inhibitoren derzeit den Standard in der Erstlinientherapie darstellen, wie uni-marburg.de berichtet.
Die Forschung konzentriert sich auf die Therapieresistenzen, die nach anfänglich erfolgreicher Behandlung auftreten. Die Analyse zeigt, dass eine Überaktivierung des mTOR-Signalwegs und eine gehemmte Autophagie in diesen Zellen beobachtet werden. Diese mTOR-Überaktivität führt zu einem Verlust der Fähigkeit, Energiemangel durch Autophagie zu kompensieren. Laut den Forschern führt der induzierte metabolische Stress letztendlich zum programmierten Zelltod in resistenten Zellen. Mit dieser Identifizierung eines biologisch klar definierten Resistenz-Subtyps wird ein Ziel verfolgt: die genauere Untersuchung von Patientinnen nach dem Versagen einer CDK4/6-Therapie.
Individuelle Therapieansätze
Die Ergebnisse könnten nicht nur die Behandlung der Patientinnen verbessern, sondern auch erheblich zur individuellen Anpassung von Therapieentscheidungen beitragen. Künftig könnten diese Entscheidungen genauer auf die spezifischen Tumoreigenschaften abgestimmt werden. Die Studie wurde im Rahmen der medizinischen Promotion von Luise von Wichert durchgeführt und wissenschaftlich von Dr. Niklas Gremke im SUCCESS-Programm betreut. Die Forschungsarbeit erhielt finanzielle Unterstützung von der von Behring-Röntgen Stiftung sowie der UKGM-Forschungsförderung.
Parallel dazu wird der CDK4/6-Inhibitor Ribociclib für Patientinnen mit frühem hormonrezeptor-positivem, HER2-negativem Brustkrebs intensiv untersucht. Die NATALEE-Studie, eine Phase-III-Studie, vergleicht die adjuvante Gabe von Ribociclib über drei Jahre mit einem Placebo in Kombination mit einem nichtsteroidalen Aromatasehemmer über mindestens fünf Jahre. In der Interventionsgruppe nehmen Patientinnen den Wirkstoff in Tablettenform für drei Wochen ein, gefolgt von einer einwöchigen Pause. Diese Studie schließt sowohl Frauen als auch Männer mit frühem, Hormonrezeptor-positivem Brustkrebs ein, wobei spezielle Kriterien vorab erfüllt sein müssen, um an der Studie teilzunehmen, wie krebsinformationsdienst.de berichtet.
Vergleich der Studienergebnisse
Die bisher eingeholten Ergebnisse der NATALEE-Studie, in der auch Patientinnen ohne Lymphknotenbefall einbezogen werden, stehen in direktem Zusammenhang mit den Ergebnissen der MonarchE-Studie. Diese stellte fest, dass die Kombination von Abemaciclib mit Tamoxifen strategische Vorteile in der Behandlung von Brustkrebs bietet. Unterschiede zeigen sich auch in den Nebenwirkungen; fast 20 % der Patientinnen brachen die Behandlung mit Ribociclib vorzeitig aufgrund von Nebenwirkungen wie Neutropenie und Leberproblemen ab. Ribociclib ist seit November 2024 für Patientinnen mit hohem Rückfallrisiko zugelassen, und die NATALEE-Studie erwartet weiterführende Ergebnisse, die vor allem das Gesamtüberleben betreffen könnten, wie onko-portal.de anmerkt.