In der aktuellen Forschung zur interstitiellen Nephritis (IN) an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) stehen neue Biomarker zur frühzeitigen Diagnose im Fokus. Ein Projekt, das mit 500.000 Euro im Rahmen des Programms zukunft.niedersachsen gefördert wird, hat das Ziel, sowohl häufige als auch seltene Ursachen der Erkrankung zu differenzieren. Interstitielle Nephritis ist eine Entzündung im Nierengewebe, die die Nierenfunktion erheblich stören kann und in schweren Fällen sogar zu chronischem Nierenversagen führen kann. Prof. Dr. Christian Hinze und Dr. Vega Gödecke von der MHH leiten das Forschungsprojekt, das auf klinische Daten, Nierenbiopsien sowie molekulare und bioinformatische Methoden setzt, um spezifische Biomarker zu finden.
Die Nieren, die als essenzielle Organe für die Entgiftung des Körpers fungieren, bergen in ihren Nephronen die funktionellen Einheiten, die für die Filterfunktion verantwortlich sind. Aktuelle Studien zeigen, dass entzündliche Reaktionen oft durch Medikamente, insbesondere durch Antibiotika und Schmerzmittel, sowie durch Infektionen ausgelöst werden. Die Diagnose erfolgt in der Regel invasive durch Nierenbiopsien, welche nicht immer eine klare Ursache der Erkrankung aufdecken.
Fortschritte in der Diagnostik
Schlüsselergebnisse aus einer Studie der Charité – Universitätsmedizin Berlin deuten darauf hin, dass aktivierte T-Zellen im Urin als nichtinvasive Biomarker zur Diagnose akuter interstitieller Nephritis (AIN) dienen könnten. Dies könnte die Notwendigkeit invasiver Verfahren wie der Nierenbiopsie reduzieren, die mit verschiedenen Risiken verbunden sind. AIN stellt eine häufige Differenzialdiagnose bei der Verschlechterung der Nierenfunktion dar und trägt zur Notwendigkeit weiterer Forschung bei.
Das beständige Streben nach der Identifikation spezifischer Biomarker ist nicht nur für die Diagnose wichtig, sondern auch für die frühzeitige Erkennung seltener Erkrankungen, die Nierenprobleme verursachen können. Schätzungen zufolge existieren über 8.000 seltene Erkrankungen, und viele davon sind mit Nierenkomplikationen assoziiert. In Deutschland sind mindestens zwei Millionen Menschen von einer dieser Erkrankungen betroffen, wobei über 10 % der erwachsenen und nahezu alle Kinder mit chronischen Nierenerkrankungen Endstadien seltener Nierenerkrankungen haben.
Überblick über seltene Nierenerkrankungen
Der Bundesverband Niere e.V. hebt die Bedeutung der interdisziplinären Betreuung von Patienten mit seltenen Nierenerkrankungen hervor. Experten empfehlen die Konsultation spezialisierter Zentren für Seltene Nierenerkrankungen, um späte oder falsche Diagnosen zu vermeiden. Mehr als 80 % dieser seltenen Erkrankungen sind genetisch bedingt, was die Komplexität der Diagnosestellung weiter erhöht.
| Seltene Nierenerkrankungen | Inzidenz |
|---|---|
| ADPKD (Zystennieren) | 1:1.000 |
| ADTKD | 1:2.000 |
| ARPKD | 1:20.000 |
| Nephronophthise | 1:50.000 |
| IgA-Nephropathie | 1:1.000 |
| Morbus Fabry | 1:40.000 |
Zusätzlich zu den Bemühungen um Biomarker und Diagnose steht der Bund weiterhin an der Spitze der Unterstützung für Menschen mit chronischen Nierenerkrankungen. Der geplante Aufbau eines Netzwerks „Allianz Seltener Nierenerkrankungen“ im Deutschen Bundesverband Niere e.V. zielt darauf ab, die Patienteninteressen zu bündeln und den Zugang zu medizinischer Versorgung zu verbessern.
Insgesamt bleibt das Feld der Nierenforschung und -diagnostik dynamisch, mit dem Ziel, die Lebensqualität von Patienten durch frühzeitige Diagnosen und individuelle Therapieansätze zu erhöhen. Dies wird umso wichtiger, als sowohl alltägliche als auch seltene Erkrankungen die Nierengesundheit signifikant beeinflussen können. Fachleute empfehlen, die Nierengesundheit bereits in der frühen Phase von Erkrankungen stärker zu berücksichtigen und die Prävention voranzutreiben.
Für mehr Informationen über die Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten seltener Nierenerkrankungen besuchen Sie MHH, Ärzteblatt oder den Bundesverband Niere.