Die Erforschung des Mikrobioms, jener unsichtbaren Welt der Mikroben, die mit unseren Körpern interagiert, steht im Mittelpunkt eines spannenden Programms, das an verschiedenen universitären Forschungszentren in Deutschland vorangetrieben wird. Das CIFAR-Programm „Menschen und das Mikrobiom“, an dem rund 40 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus den Bereichen Anthropologie, Biologie und Medizin beteiligt sind, beleuchtet die weitreichenden Auswirkungen des Mikrobioms auf die menschliche Gesundheit sowie auf individuelles und gesellschaftliches Verhalten. Das übergeordnete Ziel dieses Programms ist es, neue Behandlungsmöglichkeiten für mikrobiom-assoziierte Krankheiten zu entwickeln und Lösungen für gesellschaftliche Herausforderungen zu finden, berichtet die Universität Kiel.
Ein weiterer spannender Aspekt der Mikrobiomforschung ist der Forschungsbereich „Das Reich der Pilze: Gefahren & Potenziale“. Dabei arbeiten etwa 40 internationale Experten zusammen, um die Komplexität des Pilzreichs und dessen Einfluss auf Gesundheit, Ernährungssicherheit und Umwelt zu erforschen. Mit weltweit schätzungsweise sechs Millionen Pilzarten, die sowohl Chancen als auch Risiken bieten, wird die Entwicklung neuartiger Strategien zur Risikobeherrschung sowie zur Nutzung des Potenzials von Pilzen zunehmend wichtiger.
Verborgene Beziehungen im Mikrobiom
Wissenschaftler an der Medizinischen Universität Graz betonen, dass das Mikrobiom aus einer Vielzahl von Mikroben besteht, darunter Bakterien, Archaeen, Viren, Pilze und Protozoen. Diese Mikroben beeinflussen sowohl gesunde als auch kranke Menschen und spielen eine entscheidende Rolle bei der Entstehung von Erkrankungen wie Autoimmun- und metabolischen Krankheiten sowie Krebs. Eine Veränderung des Mikrobioms, bekannt als Dysbiose, ist oft mit einer Vielzahl von gesundheitlichen Problemen verbunden. Fortschritte in der Mikrobiomforschung ermöglichen es, diese Wechselwirkungen besser zu verstehen und darauf basierende Diagnostik und Therapien zu entwickeln.
In jüngerer Zeit richtet sich das Augenmerk zunehmend auch auf weniger erforschte Aspekte des Mikrobioms, vor allem auf Viren, insbesondere Bakteriophagen, und Pilze. Diese Mikroben beeinflussen nicht nur das Immunsystem, sondern können auch eng mit chronischen Erkrankungen in Verbindung stehen. Experten, die auf dem Gut Microbiota for Health (GMFH) World Summit 2025 sprechen, betonen die Notwendigkeit einer vertieften Forschung in diesem Bereich, wie Medscape berichtet.
Chancen der Forschung
Pilze machen zwar nur einen kleinen Teil des Mikrobioms aus, haben jedoch einen erheblichen Einfluss auf die Darmgesundheit und das allgemeine Wohlbefinden. Die Forschung zeigt, dass Pilze sowohl positive als auch negative Effekte auf die Gesundheit haben können. Besonders hervorzuheben ist die Arbeit von Wissenschaftlern wie Kyla Ost von der University of Colorado, die die Wechselwirkungen zwischen Pilzen und dem Immunsystem untersucht.
In diesem Zusammenhang wird auch die Phagentherapie, die in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen hat, intensiv erforscht. Diese Therapieform könnte sich als vielversprechend im Kampf gegen multiresistente bakterielle Erreger erweisen. Zudem zeigen erste Studien, dass Phagen nicht nur das Mikrobiom modifizieren, sondern auch bei der Behandlung von chronischen Erkrankungen wie Morbus Crohn und Colitis ulcerosa unterstützend wirken könnten.
Die Herausforderungen bleiben jedoch groß. Die hohe Spezifität der Phagen, ihre Empfindlichkeit gegenüber Magensäure und die unklare Vorhersagbarkeit ihrer Wirksamkeit stellen Wissenschaftler vor große Rätsel. Als eines der vielversprechendsten Forschungsgebiete ist die Mikrobiomforschung somit auf dem besten Weg, bedeutende Fortschritte zu erzielen – sowohl für die individuelle Gesundheit als auch für die gesellschaftlichen Herausforderungen, mit denen wir konfrontiert sind.