Forschende an der Universität Kassel haben ein innovatives Verfahren zur Erfassung von Bewegungsdaten von Radfahrenden entwickelt. Diese Methode basiert auf einem neuartigen Ansatz, der eine unerreichte Ortsgenauigkeit von unter einem Meter ermöglicht. Im Gegensatz zu herkömmlichen GNSS/GPS-basierten Verfahren, die meist eine Genauigkeit von drei bis zehn Metern bieten, nutzt der neue Ansatz handelsübliche Smartphones. Dabei reduziert sich die Positionierungsgenauigkeit auf etwa 0,64 Meter, was für die Sicherheit und Planung im urbanen Raum von großer Bedeutung ist. Laut uni-kassel.de wurde diese Technologie am 19. März auf der internationalen Konferenz IEEE PerCom in Pisa vorgestellt.
Der technische Ansatz beinhaltet die Nutzung eines „digitalen Zwillings“, um die Genauigkeit der Lokalisierung durch Umgebungsinformationen zu verbessern. Dazu zählen die Erfassung der Position, Größe und Höhe von Verkehrsschildern, die eine präzisere Datenerfassung ermöglichen. Dies stellt einen bahnbrechenden methodischen Zugang dar und hebt sich signifikant von herkömmlichen Verfahren ab.
Der digitale Zwilling in der urbanen Infrastruktur
Der Einsatz von digitalen Zwillingen erstreckt sich nicht nur auf den Bereich der Radfahrenden. Aktuelle Messdaten sind entscheidend für die Planung und Entwicklung urbaner Infrastruktur. Es werden wichtige Fragen bezüglich des Zustands von Brücken, Gebäuden, Tunneln und Straßen behandelt. Auch die effiziente Planung von Verkehrswegen und Baufortschritten ist stark angewiesen auf eine umfassende Datenbasis.
Wie fraunhofer.de erklärt, erfordert die Entwicklung solcher Daten eine multimodale Sensorik, um die urbanen Strukturen detailliert und georeferenziert zu erfassen. Dazu werden Kameras und Laserscanner auf mobilen Plattformen wie Drohnen und Messfahrzeugen eingesetzt. Kombiniert mit weiteren Sensoren wie Wärmebildkameras oder Schallpegelmessern kann ein umfassendes Bild der Infrastruktur erstellt werden.
Ziel ist die Erstellung eines digitalen Infrastruktur-Zwillings, der für die Planung und Verwaltung langfristig von Nutzen sein soll. Insbesondere in der Logistik zeigen digitale Zwillinge Bewegungen in logistischen Knoten und ermöglichen die Entwicklung von Handlungsmaßnahmen basierend auf künstlicher Intelligenz. Die Implementierung solcher Systeme ist besonders sinnvoll für Anschlussbahnen und im Rangierbetrieb.
Die fortschrittlichen Entwicklungen in der Erfassung von Bewegungsdaten und die Nutzung digitaler Zwillinge repräsentieren nicht nur einen Fortschritt in der Technologie, sondern schaffen eine zuverlässige Basis für die zukünftige Planung urbaner Räume. Die Sicherheit der Radfahrenden wird dadurch nachhaltig verbessert, was in einer zunehmend vernetzten und urbanisierten Welt von zentraler Bedeutung ist.