Neue wissenschaftliche Erkenntnisse zur Geologie der Rhodopen geben Anlass zur Faszination und werfen Licht auf die komplexen Prozesse der Plattentektonik. Laut der TU Freiberg entwickeln sich diese eindrucksvollen Gebirgen nicht wie zuvor angenommen seit 80 Millionen Jahren, sondern vielmehr seit rund 40 Millionen Jahren. Der zentrale Prozess, der zu ihrer Entstehung führt, ist der Aufstieg von Gesteinen der afrikanischen Platte, die stark in den Erdmantel eingetaucht sind und dann wieder an die Oberfläche drängen.

Der leitende Forscher Dr. Iskander Muldashev erläutert, dass riesige Stücke der afrikanischen Kruste tief in die Erde eintauchen, bevor sie senkrecht aufsteigen. Diese vertikale Bewegung ist ein Schlüssel zum Verständnis der Geologie der Region.

Der tektonische Hintergrund

Professor Thorsten Nagel, der seit 20 Jahren die tektonische Geschichte der Rhodopen untersucht, hat kürzlich mineralogische Proben gesammelt. Diese Untersuchungen zeigen, dass Teile der Rhodopen bis zu 100 Kilometer in die Erde versenkt wurden. Isotopengeochemische Daten belegen, dass dieser Prozess vor etwa 40 bis 45 Millionen Jahren stattfand. Die neuen Computermodelle, erstellt mit Hilfe einer thermomechanischen Software, belegen, dass der Auftrieb der versenkten Kruste stark genug ist, um die darüber liegende Erdkruste horizontal auseinanderzudrücken.

Dies wirft interessante Fragen zu den geologischen Mechanismen auf, die die Lithosphäre der Erde formen. Die Lithosphäre selbst ist in große tektonische Platten unterteilt, die sich über die Asthenosphäre bewegen. Diese Bewegung ist verantwortlich für zahlreiche geologische Phänomene, einschließlich Gebirgsbildung, Erdbeben und Vulkanismus, wie die Geology Science beschreibt.

Technologie und Forschung

Die Forscher an der TU Bergakademie Freiberg nutzen große Rechenkapazitäten, um komplexe Verformungsprozesse zu simulieren. Dieses technische Engagement ist entscheidend, um die genauen Abläufe der Plattentektonik zu verstehen. Um weitere Beweise für die Richtigkeit der Computermodelle zu sammeln, sind geplante Altersbestimmungen an den Gesteinen der Rhodopen in Arbeit.

Die Ergebnisse dieser intensiven Forschung zeigen, dass trotz einer scheinbaren Dehnung von mehr als 100 Kilometern die Erdkruste in der Region besonders dick bleiben kann. Diese Entdeckung eröffnet neue Perspektiven auf die geologischen Prozesse der Erdoberfläche und könnte weitreichende Konsequenzen für unser Verständnis der Plattentektonik haben.