Eine aktuelle Studie des Marie Jahoda Zentrums für internationale Geschlechterforschung und des Zentrums für interdisziplinäre Regionalforschung (ZEFIR) an der Ruhr-Universität zeigt einen alarmierenden Rückgang des Frauenanteils in kommunalen Vertretungen in Nordrhein-Westfalen. Im Vergleich zu 2020 ist der Anteil der Frauen in kommunalen Gremien im Jahr 2025 um über einen Prozentpunkt gesunken, auf insgesamt 33,2 Prozent. Dies wirft neue Fragen zur Gleichstellung in der politischen Landschaft des Bundeslandes auf.
Seit 2004 hat sich der Frauenanteil in den kommunalen Vertretungen in NRW zwar leicht verändert, doch die Tendenz ist besorgniserregend. Der Prozentsatz der Frauen bewegte sich in den Jahren 2004 bei 29,2 Prozent, stieg bis 2020 auf 34,4 Prozent und fiel in der aktuellen Erhebung zurück. Die Zahlen verdeutlichen die Unterschiede zwischen kreisfreien Städten und Landkreisen. Während die kreisfreien Städte durchschnittlich etwa 3 Prozentpunkte höhere Frauenanteile aufweisen, erreichen lediglich wenige Städte über 40 Prozent.
Regionale Unterschiede
Insbesondere Köln hebt sich mit einem Frauenanteil von 43,3 Prozent deutlich hervor, während andere Städte wie Krefeld mit nur 27,6 Prozent oder Herford mit 24 Prozent hinter den Erwartungen zurückbleiben. Diese Unterschiede in der Geschlechterverteilung sind nicht nur zahlenmäßiger Natur, sondern spiegeln auch die parteipolitische Zusammensetzung der Ratsfraktionen wider. Die Grünen setzen sich mit einem Frauenanteil von beeindruckenden 55 Prozent an die Spitze, gefolgt von der LINKEN mit 49,8 Prozent und der SPD mit 40,2 Prozent.
Umgekehrt zeigt sich, dass in Kommunen, in denen die Grünen Sitze verloren haben – wie in Leverkusen oder Aachen – auch der Frauenanteil rückläufig ist. Dies könnte darauf hindeuten, dass parteipolitische Entwicklungen direkt Einfluss auf die Repräsentation von Frauen in der Kommunalpolitik haben, was die aktuelle politische Debattenlage weiter aufheizt.
Notwendige Reformen
Die Studie, die vom Gleichstellungsministerium des Landes Nordrhein-Westfalen gefördert wird, hebt hervor, dass ohne eine Wahlrechtsreform eine paritätische Besetzung auf kommunaler Ebene unvorstellbar bleibt. Das Forschungsteam hat daher umfassende reformatorische Änderungen vorgeschlagen, darunter die Einführung eines reinen Verhältniswahlrechts ohne Wahlkreise. Diese Maßnahme könnte dazu beitragen, den Rückgang des Frauenanteils zu stoppen und langfristig die 30-Prozent-Hürde zu überwinden.
Ein weiteres Anliegen des Gleichstellungsministeriums ist das Programm „Be the Change. Frauen für Demokratie“, das seit 2024 läuft und darauf abzielt, Frauen gezielt für politische Ämter zu gewinnen. Diese Programme könnten einen wesentlichen Beitrag zur Stärkung der Frauenrepräsentanz in der Kommunalpolitik leisten. Zudem gilt es, Hochschulen als geeignete Orte zu fördern, um kommunalpolitischen Nachwuchs zu gewinnen. Ein Beispiel dafür ist das Programm „Misch dich ein, mach Politik vor Ort“.
Die politischen Entwicklungen und das Engagement der Gleichstellungsinitiativen bleiben entscheidend für die zukünftige Geschlechterverteilung in den kommunalen Gremien. Das potenzielle weitere Abrutschen in der Repräsentation von Frauen in der Politik ist besorgniserregend und bedarf dringend der Aufmerksamkeit von Entscheidungsträgern und der Gesellschaft insgesamt. Die Erreichung einer fairen Geschlechterverteilung wird nur durch kontinuierliche Anstrengungen und Reformen möglich sein.