Am 14. Februar 2026 präsentiert die Deutsche Pfadfinderinnenschaft Sankt Georg (DPSG) die Ergebnisse eines umfassenden Forschungsprojekts zur Aufarbeitung sexualisierter und spiritueller Gewalt innerhalb der Organisation. Dieses Projekt diente dazu, das Vorkommen und den Umgang mit diesen gravierenden Problemen seit 1929 zu untersuchen. Die Studienergebnisse wurden am 5. Februar 2026 in einer Pressekonferenz vorgestellt, geleitet von Prof.in Dr.in Sabine Maschke von der Philipps-Universität Marburg und Prof. Dr. Ludwig Stecher von der Justus-Liebig-Universität Gießen.

Die Studie zeigt auf, dass sexualisierte Gewalt ein strukturelles Problem in der DPSG darstellt. Besonders alarmierend ist, dass die Mehrheit der Täter männliche Leitende sind, die ihre Machtpositionen ausnutzen. Häufige Taten ereignen sich in Beziehungen, die von einem Machtungleichgewicht zwischen erwachsenen Leitern und weiblichen Minderjährigen geprägt sind. Zudem wurde auch Gewalt unter gleichaltrigen Jugendlichen dokumentiert, was die Tragweite des Problems verdeutlicht.

Institutionelles Versagen und Verantwortung

Die DPSG räumt ihr institutionelles Versagen in dieser Angelegenheit ein und übernimmt Verantwortung für das Leid der Betroffenen. Annkathrin Meyer, die Bundesvorsitzende der DPSG, betont die Notwendigkeit, das Leiden der Betroffenen anzuerkennen. In der Zukunft soll das Ziel verfolgt werden, die Betroffenen aktiv in den Aufarbeitungsprozess einzubeziehen. Der Bundesvorstand hat die Ergebnisse der Studie als schmerzhaft, aber notwendig für die Aufarbeitung beschrieben.

Die Untersuchung hat zudem strukturelle Risikofaktoren identifiziert, wie spirituelle Manipulation und die unkritische Überhöhung der Gemeinschaft. Solche Faktoren begünstigen eine Atmosphäre, in der sexualisierte und spirituelle Gewalt gedeihen können. Gemeinschaftsituationen wie Fahrten, Zeltlager und der Konsum von Alkohol haben sich als besonders anfällig für solche Übergriffe herausgestellt.

Auf dem Weg zu einem sichereren Umfeld

Der Bundeskurat der DPSG, Maximilian Strozyk, unterstreicht die Dringlichkeit, gewaltbegünstigende Strukturen zu erkennen und präventiv zu handeln. Mit über 84.000 aktiven Mitgliedern und rund 1.100 Stämmen ist die DPSG der größte Pfadfinderverband in Deutschland. Der Verband verfolgt einen eigenständigen Erziehungsauftrag und setzt sich für die Persönlichkeitsentwicklung von Kindern und Jugendlichen ein.

Das zentrale Ziel der DPSG ist es, bestehende Strukturen zu überdenken und sicherere Rahmenbedingungen für alle Mitglieder zu schaffen. Die Ergebnisse der Studie sollen als Ausgangspunkt für eine umfassende Aufarbeitung und notwendige Reformen dienen, um das Vertrauen der Mitglieder zurückzugewinnen und das Wohl der Betroffenen zu garantieren.

Für weitere Informationen über die Forschung und die Initiative der DPSG zur Aufarbeitung, können Sie die detaillierten Berichte auf der Website der Philips-Universität Marburg einsehen.