Schulabsentismus bleibt ein drängendes Thema in Schleswig-Holstein. Ein neues Projekt, das unter dem Namen SANSCHO (Schulbesuch und Schulabbruch in Schleswig-Holstein) firmiert, hat sich zum Ziel gesetzt, den Ursachen und Mustern des Schulbesuchs auf den Grund zu gehen. Erste Ergebnisse wurden bereits 2018 vorgestellt, und die aktuellen Daten zeigen, dass 8% der Schüler*innen in den 9. Klassen an Gemeinschaftsschulen mehr als 40 Tage im Schulhalbjahr versäumen. Diese Zahl ist alarmierend und fordert die Aufmerksamkeit der Verantwortlichen im Bildungsbereich. Uni Flensburg berichtet, dass trotz eines Rückgangs der Schüler*innen mit hohen Fehlzeiten der Handlungsbedarf vom Bildungsministerium weiterhin als gegeben betrachtet wird.

Das Projekt SANSCHO, das von Wissenschaftler*innen der Europa-Universität Flensburg und der Universität Leipzig durchgeführt wird, befasst sich intensiv mit den Herausforderungen, die Schüler*innen dazu bewegen, dem Unterricht fernzubleiben. Hierzu wurden über 5.500 Schüler*innen und 500 Lehrkräfte an 54 Schulen befragt, um ein umfassendes Bild der Situation zu zeichnen. Die Ergebnisse zeigen, dass besonders Schüler*innen, die sich nicht als männlich oder weiblich identifizieren, unter auffällig hohen Fehlzeiten leiden.

Ursachen für Schulabsentismus

Die Gründe für Schulabsentismus sind vielfältig. Immer wieder zeigen sich Symptome von Angst, emotionalen Schwierigkeiten und sozialer Isolation, die eng mit häufigen Fehlzeiten verknüpft sind. Schüler*innen, die regelmäßig fehlen, fühlen sich oftmals unwohl oder sogar als emotional auffällig wahrgenommen. Laut NDR leiden viele Kinder und Jugendliche an Bauchschmerzen, Kopfschmerzen oder Schlaflosigkeit, die allesamt als Anzeichen für ein Unwohlsein in der Schule gedeutet werden können. Frauen neigen dazu, den Schulbesuch aus Angst zu vermeiden, während Jungen eher ohne das Wissen der Eltern schwänzen.

Ein zentraler Aspekt, der zur Diskussion steht, ist das Zugehörigkeitsgefühl der Schüler*innen zur Schule. Fehlt dieses Gefühl, hat das oft weitreichende Folgen: Schüler*innen verlieren den Anschluss an die Klassengemeinschaft, was in extremen Fällen sogar bis zum Schulabbruch führen kann. Ein denkwürdiger Schritt, den das Bildungsministerium geht, ist ist die frühzeitige Intervention, bereits ab dem ersten Fehltag, um auf Fehlzeiten konstruktiv zu reagieren. Schleswig-Holstein hat hierfür auch spezielle Maßnahmen entwickelt, um den Schulbesuch zu fördern und letztendlich die Unterstützung für betroffene Schüler*innen zu verbessern.

Ausblick und Maßnahmen

Das Projekt SANSCHO, welches bis Ende 2027 laufen wird und mit rund 691.000 Euro vom Bildungsministerium gefördert wird, setzt nicht nur auf Fragebögen, sondern auch auf persönliche Interviews mit Schüler*innen, Eltern und Lehrkräften. Die Erkenntnisse sollen dabei helfen, ein positives Schulumfeld zu gestalten, das Schüler*innen ein Gefühl der Sicherheit und Integration vermittelt. Der Bildungsministerin Stenke betont die Wichtigkeit, dass Lehrer ermutigt werden müssen, das Gespräch mit betroffenen Schüler*innen und deren Eltern zu suchen. Klare Ansagen von Seiten der Eltern können ebenfalls bedeutsam sein, um Fehlzeiten zu reduzieren.

Eine Verbesserung des Schulbesuchs ist machbar, doch dafür ist eine gemeinsame Anstrengung aller Beteiligten erforderlich. Umso mehr sind Maßnahmen wie FLEX-Klassen und das Handlungskonzept STEP, welche extra für Schüler*innen entwickelt wurden, die mehr Unterstützung brauchen, von Bedeutung. Es bleibt spannend, wie die Ergebnisse der laufenden Studie im kommenden Jahr aussehen werden. Ein nachhaltiger Erfolg könnte bedeutende Elemente für ein besseres Miteinander im Bildungssystem Schleswig-Holsteins schaffen.