Eine neue Studie von Katharina Drescher, einer Ökonomin an der Universität Passau, untersucht die positiven Effekte der Schulsozialarbeit auf Bildung und Jugendkriminalität in Deutschland. Besonders fokussiert ist ihre Analyse auf die Entwicklungen, die nach dem tragischen Amoklauf von Winnenden im Jahr 2009 in Baden-Württemberg initiiert wurden. Das Konzept der Schulsozialarbeit basiert auf professioneller sozialpädagogischer Tätigkeit, wo Fachkräfte als Vertrauenspersonen agieren, soziale Kompetenzen stärken, Krisenhilfe leisten und Bildungsbenachteiligungen vorbeugen.
Nach dem Amoklauf wurde die präventive Sozialarbeit an Schulen erheblich ausgeweitet. Die Zahl der Fachkräfte in diesem Bereich wurde mehr als verdoppelt. Laut digital.uni-passau.de hat dieser Ausbau die Jugendkriminalität um durchschnittlich 2 bis 3 Prozent pro Jahr gesenkt. Drescher hat Daten von 2006 bis 2018 analysiert, die etwa 800.000 Straftaten von unter 19-Jährigen umfassen, einschließlich Diebstählen und schwerer Gewalt. Die Methodik der Studie gleicht einem natürlichen Experiment, um die kausalen Effekte der Schulsozialarbeit isoliert darzustellen.
Positive Effekte der Schulsozialarbeit
Die Ergebnisse der Studie sind vielversprechend. Eine zusätzliche Fachkraft an einer Schule mit 1000 Schülern könnte die Jugendkriminalität um durchschnittlich 17 Prozent pro Jahr senken. Zudem würden die Fälle von schweren Gewaltdelikten um rund 25 Prozent reduziert und die Meldequoten bei sexualisierter Gewalt um 24 Prozent steigen, da Betroffene eher Hilfe suchen. Auch die Wahrscheinlichkeit von Klassenwiederholungen würde um etwa 10 Prozent gesenkt.
Eine Kosten-Nutzen-Analyse zeigt, dass eine zusätzliche Fachkraft pro 1000 Schüler jährlich Kosten von etwa 50.000 Euro verursacht, während der Nutzen bei 110.000 Euro liegt. Diese Zahlen verdeutlichen die wirtschaftliche Effizienz der Schulsozialarbeit. Langfristige Effekte, wie bessere Berufschancen und geringere Straftaten im Erwachsenenalter, sind jedoch in dieser Analyse nicht berücksichtigt.
Eine wichtige Studie für zukünftige Entwicklungen
Dreschers Studie stellt einen der ersten quantitativen Nachweise für den Einfluss von Schulsozialarbeit dar. Ihre Forschungsarbeit wirkt sich auf die Diskussion über die Notwendigkeit und Finanzierung sozialer Dienstleistungen in Schulen aus. Besonders relevant ist die regional unterschiedliche Umsetzung der Sozialarbeitsförderung in Baden-Württemberg, die es Drescher ermöglicht, grundsätzliche Unterschiede zwischen Regionen und generelle Trends herauszurechnen.
Für ihre bemerkenswerte Arbeit erhielt Katharina Drescher 2024 den Young Economist Award der Österreichischen Nationalökonomischen Gesellschaft. Die Studie wurde als Diskussionspapier im Bavarian Graduate Program in Economics veröffentlicht, ist aber noch nicht begutachtet. Laut idw-online.de zeigt die Auswertung somit nicht nur die Notwendigkeit von Schulsozialarbeit auf, sondern bietet auch wertvolle Einsichten zur Prävention von Jugendkriminalität.
Insgesamt beweisen die Ergebnisse der Studie, dass gezielte sozialpädagogische Maßnahmen an Schulen nicht nur zur Verringerung von Jugendkriminalität führen, sondern auch einen erheblichen Beitrag zur Stärkung von Bildungsprozessen und zur Förderung sozialer Kompetenzen leisten. Für weitere Details und Informationen ist die Veröffentlichung auf nachrichten.idw-online.de empfehlenswert.