Ein internationales Forschungsprojekt mit dem Namen „CUMBIAH“ hat das Ziel, Schutzmaßnahmen für die bedrohte Schweinswal-Population in der Ostsee zu entwickeln. In diesem Projekt, welches vom Deutschen Meeresmuseum geleitet wird, arbeiten 14 Partner aus Deutschland, Dänemark, Schweden, Polen, Estland, Finnland und Litauen zusammen. Es wird durch das Bundesumweltministerium aus Mitteln der Meeresnaturschutzkomponente nach dem Windenergie-auf-See-Gesetz gefördert. Das Projekt hat eine Laufzeit von fünf Jahren und wird von der Universität Potsdam unterstützt, die unter der Leitung von Prof. Dr. Ralph Tiedemann genetische Monitoring-Studien durchführt, um die Entwicklung und Diversität der Bevölkerung besser zu verstehen (uni-potsdam.de).

Schweinswale, die vor einigen tausend Jahren aus dem offenen Meer in die Ostsee eingewandert sind, stehen vor zahlreichen Herausforderungen. Mit einer geschätzten Population von nur etwa 500 Tieren in der Ostsee sind sie stark bedroht. Die Hauptbedrohungen für diese Tiere sind die Fischerei, Umweltverschmutzung und Unterwasserlärm. In den letzten Jahrzehnten haben sich die Bestände dramatisch verringert: Daten zeigen einen Rückgang von etwa 42.000 Schweinswalen im Jahr 2016 auf nur etwa 14.000 im Jahr 2022 in der westlichen Ostsee (sueddeutsche.de).

Forschung und Schutzmaßnahmen

Das Forschungsprojekt beinhaltet die Auswertung verschiedener wissenschaftlicher Daten, die zur Bestimmung der Populationsstruktur, Bedrohungen und der Lebensraumqualität der Schweinswale dienen. Ein zentraler Aspekt ist das Monitoring der Vorkommensdichte und Verbreitung, der Untersuchung von Umwelt-DNA-Proben sowie die Analyse von Totfunden zur Erfassung des allgemeinen Gesundheitszustands der Tiere. Die Ergebnisse helfen, den Einfluss von Fischereiaktivitäten und Lärmbelastung auf die Schweinswalpopulation zu bewerten. (bfn.de)

Besonders eine Rückgang des Fischbestands, insbesondere von Heringen, die eine Hauptnahrungsquelle der Schweinswale darstellen, verschärft die Situation. Abnehmende Lebensräume und die Stellnetzproblematik tragen ebenfalls erheblich zur Bedrohung dieser Tiere bei, da sie sich in den Netzen verheddern und ertrinken können. Im Zuge des Klimawandels wird zudem immer mehr Lärm durch menschliche Aktivitäten oder Schiffsverkehr im Meer verursacht, was die Nahrungsaufnahme der Tiere erheblich stört.

Der Weg in die Zukunft

Die angestrebten Schutzmaßnahmen umfassen die Ausweisung von Managementzonen und Schonbereichen sowie die Einführung geräuschmindernder Maßnahmen. Eine Reduktion der umweltgefährdenden Substanzen ist ebenso erforderlich, um den Lebensraum der Schweinswale zu bewahren. Die europäische und nationale Politik wird zunehmend gefordert, effektive Beifangreduzierungs-Methoden in der Fischerei zu etablieren, um den Schweinswalen einen nachhaltigeren Lebensraum zu bieten.

Der Zustand der Schweinswale gilt dabei als Indikator für den allgemeinen Gesundheitszustand der Ostsee. Dagmar Struß, Leiterin der Landesstelle Ostseeschutz des Nabu, hebt die Dringlichkeit dieser Umweltschutzmaßnahmen hervor und plädiert für die Schaffung von Nationalparks in der Ostsee, um den Tieren optimalen Schutz zu bieten. Nur durch koordinierte Maßnahmen kann es gelingen, die stark gefährdete Population der Schweinswale zu retten und langfristig zu stabilisieren.