Die Faszination der Seehunde ist ungebrochen: Diese ausgezeichneten Schwimmer sind nicht nur ein wichtiger Teil des maritimen Ökosystems, sondern auch das Produkt einer langen Geschichte menschlichen Einflusses. Eine neue Studie zeigt nun, welchen Einfluss unsere Aktivitäten auf das Fressverhalten dieser Tiere gehabt haben. In der Untersuchung, die von der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover, dem Leibniz-Institut zur Analyse des Biodiversitätswandels (LIB) und der Universität Leipzig durchgeführt wurde, wurden Zahnproben aus historischen Präparaten analysiert. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift *Frontiers in Marine Science* veröffentlicht.
Im Rahmen der Studie wurden Abnutzungsspuren auf den Zähnen von Seehunden aus verschiedenen Regionen und Zeitperioden untersucht. Der Vergleich zwischen Seehunden aus dem deutschen Wattenmeer, die seit den späten 1980er-Jahren geschützt sind, und solchen aus dem dänischen Kattegat in den 1960er- bis 1970er-Jahren enthüllte, dass die Letzteren deutlich komplexere Abnutzungsspuren aufwiesen. Dies deutet auf Unterschiede in Ernährung und Nahrungsverfügbarkeit hin, die durch intensive Fischerei und Jagd in der damaligen Zeit geprägt waren.
Schutzmaßnahmen und Veränderungen im Lebensraum
Die Studie verdeutlicht, wie stark menschliche Aktivitäten das Fressverhalten dieser Tiere beeinflussen können. In den 1960er- und 1970er-Jahren war der Druck durch Jagd und veränderte Fischbestände im Kattegat erheblich, was die Lebensbedingungen der Tiere negativ beeinflusste. Ab den 1980er-Jahren wurden jedoch durch Schutzmaßnahmen im Wattenmeer die Bestände stabilisiert, was den Seehunden die Anpassung an die vorhandenen Ressourcen erleichterte.
Seehunde sind bekannt dafür, dass sie sich vor allem von Fischen wie Heringen, Sardinen und Dorschen ernähren, während jüngere Tiere auch andere Meeresbewohner wie Krebstiere und Weichtiere fressen. Draussen im Wasser sind sie Einzelgänger, während sie sich auf Sandbänken in kleinen Gruppen aufhalten, wobei ein Mindestabstand von eineinhalb Metern gewahrt bleibt. Ihre Fortpflanzung findet von Juli bis Anfang September im Wasser statt, mit einer Tragzeit von elf Monaten.
Der aktuelle Bestand und Herausforderungen
Eine aktuelle Zählung ergab, dass im gesamten Wattenmeer, zu dem Dänemark, Deutschland und die Niederlande gehören, etwa 23.700 Seehunde leben. Dies bedeutet einen Zuwachs von fünf Prozent im Vergleich zum Vorjahr, doch der langfristige Trend zeigt einen Rückgang der Bestände. Besonders auffällig ist die Situation in Deutschland, wo in Schleswig-Holstein ein Zuwachs von sieben Prozent verzeichnet wurde, während in Helgoland ein Rückgang von 22 Prozent festgestellt wurde. Die Anzahl der Jungtiere ist mit etwa 8.230 ebenfalls um zwölf Prozent gesunken, was besorgniserregend ist, wenn man die künftigen Populationen im Blick hat.
Die Ursachen des Bestandsrückgangs sind noch unklar, jedoch könnten Konkurrenz um Nahrung oder menschliche Aktivitäten eine Rolle spielen. Krankheiten und Abwanderung konnten ausgeschlossen werden. Es ist offensichtlich, dass weitere Forschungen notwendig sind, um effektive Schutzmaßnahmen ergreifen zu können, damit die Seehunde auch in Zukunft gesund über die Küsten schwimmen können.
Die Geschichte des Seehundes reicht bis ins 1. Jahrhundert zurück, als Küstenbewohner sie zur Nahrungsgewinnung und für ihre Felle jagten. Der dramatische Rückgang der Population in den letzten Jahrhunderten ist auf die intensive Jagd und den industriellen Fischfang zurückzuführen. Dank weltweiter und nationaler Schutzmaßnahmen, die auch durch Abkommen festgelegt sind, konnte sich die Population seit einem Tiefpunkt in den Mitte des 20. Jahrhunderts langsam erholen. In Deutschland gilt der Seehund mittlerweile als „gefährdet“, während er international den Status „Least Concern“ hat.