Ein bemerkenswerter archäologischer Fund in der Allgäu-Region hat das Wissen über die Nagetierfamilie der Stachelbilche, insbesondere über deren letzten Vertreter in Europa, erheblich erweitert. Ein Team des Senckenberg Centre for Human Evolution and Palaeoenvironment an der Universität Tübingen entdeckte einen 11,6 Millionen Jahre alten Oberkiefer-Backenzahn des Neocometes brunonis in der Hammerschmiede, wie uni-tuebingen.de berichtet. Diese Entdeckung, die zu den aufregendsten in der Region zählt, wurde in der Fachzeitschrift „Fossil Imprint“ veröffentlicht.

Der entdeckte Zahn misst lediglich 1,4 Millimeter und ist Teil einer größeren Sammlung von etwa 5.000 Zähnen anderer Nagetiere aus der Tongrube. Stachelbilche sind evolutionär bedingt ausschließlich durch die heutige Art, den Platacanthomys lasiurus, bekannt, der aktuell in Südindien vorkommt. Historisch gesehen leben die ältesten Stachelbilche in Europe, deren Überreste in Sedimenten von 17,5 bis 13,3 Millionen Jahren gefunden wurden.

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Lebensräume und Biodiversität

Die Habitatverhältnisse in der Hammerschmiede sind für Stachelbilche nicht optimal, denn diese Tiere bevorzugen schwer zugängliche Bergwälder und felsige Regionen. Dennoch zeigt die Entdeckung, dass es in der Niederungslandschaft mit mäandrierenden Flüssen möglicherweise Lebensbedingungen gab, die für diese Art vor Millionen Jahren tragfähig waren. Insgesamt erhöht sich die Anzahl der bekannten Wirbeltierarten aus der Hammerschmiede auf 158, darunter 90 Säugetierarten und 27 nachgewiesene Nagetiere.

Professorin Madelaine Böhme, die das Grabungsteam leitet, betont, dass die Ursachen dieser hohen Biodiversität noch unerforscht sind. Im Rahmen des Tübinger Exzellenzclusters TERRA, das im Jahr 2026 startet, sollen diese Fragen weiter untersucht werden. Wissenschaftliche Grabungen in der Hammerschmiede finden seit 2011 statt, während Bürgergrabungen im Rahmen eines Citizen-Science-Projekts seit 2017 durchgeführt werden. Diese Initiativen wurden seit 2020 mit finanzieller Unterstützung durch den Freistaat Bayern gefördert.

Forschungsteam und Entdeckungen

Die Forschung und Entdeckung des Stachelbilch-Zahns wurde unter der Leitung von Professorin Madelaine Böhme und Dr. Jérôme Prieto von der Universität München durchgeführt. Diese bedeutende Entdeckung ist nicht nur ein Treffer in der Geologie, sondern bietet auch wertvolle Einblicke in frühere Ökosysteme und die Evolution der Nagetiere in Europa. Stachelbilche sind aufgrund ihrer Seltenheit und der besonderen Lebensweise in schwer zugänglichen Lebensräumen eine faszinierende Gruppe von Tieren.

Die fortlaufenden archäologischen Forschungen und die Unkenntnis über die Biodiversität der Hammerschmiede unterstreichen die Relevanz der Region für künftige wissenschaftliche Entdeckungen und bestätigen, dass die Erforschung der Erdgeschichte weitreichende und oft überraschende Erkenntnisse liefert. Die jüngsten Funde könnten daher ein Schlüssel zu unserem Verständnis der evolutionären Geschichte dieser einzigartigen Nagetierfamilie sein, wie auch phys.org darlegt.