Die Debatte um die Social-Media-Nutzung durch Jugendliche nimmt in Deutschland zunehmend Fahrt auf. Der Fokus liegt auf den potenziellen gesundheitlichen Risiken, die mit einer intensiven Nutzung verbunden sind. Prof. Dr. Annika Sehl von der Universität Köln untersucht die Auswirkungen dieser Nutzung auf die psychische Gesundheit junger Menschen. Ihre Forschung zeigt, dass intensive oder sogar suchtähnliche Nutzung von sozialen Medien zu depressiven Verstimmungen, Angstsymptomen, Aufmerksamkeitsproblemen und Schlafstörungen führen kann. Allerdings steht aktuell noch eine umfassende wissenschaftliche Basis zu diesen Zusammenhängen aus, sodass weiterer Forschungsbedarf besteht, um klare Kausalitäten zu definieren. Der alleinige Verbot von Social Media reicht ihrer Meinung nach nicht aus, um Jugendliche zu schützen. Stattdessen fordert sie Maßnahmen wie altersabhängige Zugangsbeschränkungen und die Förderung eines reflektierten Umgangs mit digitalen Plattformen.
Über 80 % der Jugendlichen in Deutschland verwenden täglich soziale Medien, durchschnittlich 3,5 Stunden pro Tag. Diese erschreckend hohen Zahlen werfen Fragen auf, insbesondere da die nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina einen stärkeren Schutz für Jugendliche fordert. Laut den Empfehlungen der Akademie sollen Kinder unter 13 Jahren keine Social-Media-Accounts haben. Ab einem Alter von 13 Jahren könnte die Nutzung unter elterlicher Aufsicht erlaubt werden, jedoch nur mit klaren Schutzregeln für unter 18-Jährige. Auch Elterliche Aufsicht und transparente Nutzung von sozialen Medien sollten Bestandteil eines gezielten Ansatzes sein.
Medienkompetenz und pädagogische Maßnahmen
Ein zentraler Aspekt im Umgang mit den Risiken sozialer Medien ist die Medienkompetenz. Diese sollte bereits im Kindergarten angesprochen und verbindlich in Schulen etabliert werden. Die Bedeutung einer altersgerechten Schulung wurde auch durch die im Jahr 2022 durchgeführte JIM-Studie des Medienpädagogischen Forschungsverbunds Südwest belegt. 95 % der 1.200 befragten Jugendlichen zwischen 12 und 19 Jahren nutzen täglich das Internet. Im Zuge dessen sollten Schulen systematisch Medienkompetenz vermitteln und auch den Eltern Unterstützung bieten, um eine gesunde Mediennutzung zu fördern.
Darüber hinaus zeigt die steigende Zahl von erreichten sozialen Medien bei Kindern und Jugendlichen, dass bereits 10 % der 6- bis 7-Jährigen und sogar 71 % der 12- bis 13-Jährigen TikTok nutzen. Diese Nutzung birgt erhebliche Risiken hinsichtlich psychischer Erkrankungen und ja sogar suchtartiger Nutzung. Wissenschaftler warnen vor den Mechanismen sozialer Netzwerke, die ständige Verfügbarkeit neuer Inhalte und die Suche nach Anerkennung durch Likes und Kommentare hervorrufen.
Politische Maßnahmen und internationale Ansätze
Auf politischer Ebene fordern Experten wie der CDU-Politiker Hendrik Streeck eine gesetzliche Altersgrenze für soziale Medien. Während dies auf Widerspruch stößt, beispielsweise von Joachim Türk, dem Vizepräsidenten des Kinderschutzbundes, wird die Dringlichkeit von Schutzmaßnahmen weiterhin betont. In Ländern wie Australien dürfen Jugendliche erst ab 16 Jahren soziale Medien nutzen, während einige EU-Staaten wie Dänemark sich für Alterskontrollen einsetzen.
Um die Sicherheit von Kindern und Jugendlichen im Internet zu gewährleisten, sind technische Lösungen wie die European Digital Identity Wallet geplant, um Altersgrenzen bis Ende 2026 durchzusetzen. Dennoch bleibt die Frage offen, inwieweit Plattformbetreiber wie TikTok und andere soziale Medien ihrer Verantwortung gerecht werden, indem sie Inhalte effizient moderieren und Nutzer ausreichend schützen. Experten fordern eine bessere Moderation und Altersdifferenzierung, um die Gefahren für junge Nutzer zu minimieren.
Abschließend wird klar, dass die Fragestellungen rund um die Nutzung sozialer Medien durch Jugendliche komplex sind. Der effektive Schutz erfordert ein Zusammenspiel von Elternhaus, Schule, politischen Akteuren sowie den Plattformbetreibern selbst, um ein verantwortungsvolles und sicheres Umfeld für die nächsten Generationen zu schaffen.