Städte sind im Vergleich zu ländlichen Gebieten oft wärmer, insbesondere während Hitzewellen, was als städtischer Wärmeinseleffekt (UHI) bekannt ist. Dieser Effekt wird durch zahlreiche Faktoren beeinflusst, darunter Stadtgröße, Dichte, Bauhöhe, Versiegelungsgrad und der Anteil der Grünflächen. Eine aktuelle Studie von Forschenden des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) und der University of East Anglia hat gezeigt, dass der Klimawandel die Temperaturunterschiede zwischen Stadt und Land weiter verschärfen könnte, insbesondere in tropischen Regionen, die bereits unter erheblichen Gesundheitsrisiken leiden.
Die Forschung konzentrierte sich auf 104 mittelgroße Städte in den Tropen und Subtropen, um Temperaturveränderungen zu untersuchen. Dabei stellte sich heraus, dass etwa 80 Prozent der untersuchten Städte in Ländern wie Indien, China und Westafrika schnellere Temperaturanstiege verzeichnen als ihre ländliche Umgebung. In etwa 15 Prozent der Fälle könnte der Temperaturanstieg in städtischen Gebieten sogar um 50 bis 100 Prozent höher sein als die globale Durchschnittserwärmung von zwei Grad Celsius.
Einfluss urbaner Strukturen
Großstädte weisen niedrigere relative Luftfeuchtigkeit und höhere mittlere Temperaturen auf. Diese urbanen Gegebenheiten tragen zur Entstehung des städtischen Wärmeinsel-Effekts bei. In heißen Sommermonaten können dadurch gesundheitliche Belastungen für die Bevölkerung entstehen. Städte heizen sich tagsüber stark auf und kühlen nachts weniger stark ab als umliegende Gebiete, was zu einem verstärkten Anstieg der Tropennächte führt. Besonders hervorzuheben ist, dass in deutschen Städten Tropennächte, also Temperaturen über 20 Grad Celsius, bis zu dreimal häufiger auftreten als im Umland.
Das Umweltbundesamt berichtet von Temperaturunterschieden zwischen Stadtzentrum und Umland, die im Sommer in Städten wie Berlin zwischen 3 und 4 Kelvin variieren und an Spitzentagen sogar bis zu 11 Kelvin betragen können. Die klimatischen Verhältnisse in Städten sind also nicht nur ein Produkt der städtischen Bebauung, sondern auch eine Folge der globalen Erwärmung.
Maßnahmen zur Anpassung und Verbesserung
Um den Auswirkungen des städtischen Wärmeinseleffekts entgegenzuwirken, sind verschiedene Maßnahmen erforderlich. Dazu zählen die Schaffung mehrerer Grünflächen, der Anbau von Bäumen und die Verbesserung der Stadtplanung durch nachhaltige Baupraktiken. Laut National Geographic kann eine erhöhte Anzahl von Klimaanlagen sogar die Lufttemperatur in städtischen Gebieten um bis zu 3 Grad Celsius ansteigen lassen, wodurch der Energieverbrauch in den Städten steigt.
Innovationen wie Dachbegrünungen, Wasserbesprühungen und der Einsatz heller Anstriche können dazu beitragen, das Mikroklima in belasteten Innenstadtvierteln zu verbessern. Alte Bäume sind für die Abkühlung wichtig, da sie Lufttemperaturen um bis zu 5 Grad Celsius senken können. Der Schutz dieser Bäume und eine bewusste Stadtgestaltung könnten nicht nur die Lebensqualität in urbanen Räumen erhöhen, sondern auch den Klimawandel verlangsamen.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der städtische Wärmeinseleffekt eine Herausforderung für Stadtbewohner und Planer darstellt. Angesichts der steigenden Temperaturen und häufigeren extremen Wetterbedingungen wird es entscheidend sein, innovative Ansätze zur Anpassung und Minderung der Hitzeentwicklung in den Städten zu entwickeln. Nur so kann die Gesundheit der städtischen Bevölkerung in Zukunft gesichert werden.