Die Stadt aus der Perspektive eines Fuchses zu betrachten, mag auf den ersten Blick ungewöhnlich erscheinen. Doch genau darum dreht sich das Forschungs- und Lehrprojekt „PerspekTIERwechsel“ an der Universität Kassel. Unter der Leitung von Dr. Annette Voigt wird ein neuer Ansatz zur Stadtplanung verfolgt, der die Bedürfnisse von Tieren ins Zentrum rückt. Vor allem in städtischen Umgebungen haben Tiere, wie beispielsweise Füchse, zunehmend Schwierigkeiten, sich ihren Lebensraum zu bewahren.

Das Projekt zielt darauf ab, angehenden Architekten und Planern klarzumachen, wie ihre Entwürfe nicht nur Menschen, sondern auch Tieren dienen können. Oftmals wird übersehen, dass urbanisierte Räume auch für heimische Tiere wie Vögel und Säugetiere lebenswichtig sein können. Laut Dr. Voigt sind viele städtische Infrastrukturen eine unüberwindliche Barriere für Tiere. So kommen Tauben hinter Glasfassaden oft nicht mehr heraus, was zu einer alarmierenden Anzahl von Vogelsterblichkeiten führt: etwa 100 Millionen Vögel jährlich in Deutschland.

Die Rolle der Füchse in urbanen Räumen

Füchse haben sich in städtischen Parks, Gärten und Grünanlagen angesiedelt. Sie profitieren von der Nahrungsverfügbarkeit in Komposthaufen und den Überresten von Abfällen. Laut den Informationen von VIER PFOTEN sind Füchse nicht nur gewitzt, sondern auch anpassungsfähig. In Städten gibt es kaum natürliche Feinde, was zu einem Anstieg ihrer Populationen führt. Dennoch führt die Gewöhnung an den Menschen oft dazu, dass Füchse ihre natürliche Scheu verlieren und zum Teil als bedrohlich wahrgenommen werden.

Die Biologin Eva Lindenschmidt betont, dass viele Ängste gegenüber Füchsen unbegründet sind. Sie warnen vor der Problematik der Fütterung, da dies nicht nur für Tiere ungesund ist, sondern auch Konflikte unter Anwohnern hervorrufen kann. Dabei spielen Füchse eine bedeutende Rolle im städtischen Ökosystem: Sie regulieren Populationen von Nagetieren wie Mäusen und Ratten, die andernfalls überhandnehmen könnten.

Die Planung für eine kooperative Stadt

Wie Dr. Voigt in ihrem Projekt verdeutlicht, muss „Kohabitation“ als planerische Aufgabe anerkannt werden. Dabei geht es nicht nur um ethische Überlegungen, sondern auch um praktische Lösungen, um bestehende Lebensräume von Tieren zu beschützen oder neue zu schaffen. Die Integration freilebender Tiere in Architektur- und Landschaftsplanung könnte konfliktreduzierend wirken und positive Möglichkeiten für Mensch und Tier schaffen.

Ein Beispiel für die Herausforderungen in diesem Bereich ist eine geplante Bebauung in Berlin, die die letzte Heimat einer Kreuzkrötenpopulation gefährden könnte. Solche Beispiele unterstreichen die Notwendigkeit, Bauprojekte von Anfang an so zu denken, dass sie Tierlebensräume respektieren und integrieren.

Das Projekt „PerspekTIERwechsel“ nimmt sich dieser Problematik an, indem es thematische Hefte und Artenportraits integriert, um jungen Planern die Ökologie von Tieren näherzubringen. Innovative Ansätze wie der Fuchs-Audiowalk eröffnen neue Perspektiven für die Auseinandersetzung mit städtischen Lebensräumen.

Insgesamt zeigt sich, dass eine bewusste Auseinandersetzung mit der Urbanisierung und den Bedürfnissen von Tieren sowohl für das Ökosystem als auch für das menschliche Zusammenleben von großer Bedeutung sein kann. Die Städte der Zukunft sollten nicht nur Plätze für Menschen sein, sondern auch Lebensräume für die vielfältigen Arten, die sie bewohnen.

Die Planung von Städten als Kohabitate könnte ein Schlüssel zur Schaffung einer nachhaltigeren urbanen Umwelt sein, die sowohl Mensch als auch Tier als Teil eines großen Ganzen sieht.