Am 22. Januar 2026 findet an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf eine wichtige Veranstaltung zur Bekämpfung von Steuer- und Finanzkriminalität statt. Die Diskussion wird von prominentem Fachpersonal geleitet, unter anderem von Anne Brorhilker, die als führende Ermittlerin im Cum-Ex-Steuerskandal bekannt ist und ehemals Oberstaatsanwältin in Köln war. Zudem wird Martin Wambach, ehemaliger Sonderermittler des Deutschen Bundestags zur Aufklärung des Wirecard-Bilanzskandals, anwesend sein. Die Veranstaltung ist Teil der Jahrestagung von „fact × hhu“, einem spezialisierten Studienprofil im Master-Studiengang Betriebswirtschaftslehre, und findet im Konrad-Henkel-Hörsaal an der Universitätsstraße 140 in Düsseldorf statt. Die Teilnahme ist kostenfrei, jedoch ist eine Anmeldung erforderlich, da Plätze begrenzt sind.
Die Thematik ist besonders aktuell, denn trotz der öffentlichen Wahrnehmung der Cum-Ex- und Cum-Cum-Steuerskandale, die seit 2001 im Umlauf sind, treten diese Betrugspraktiken weiterhin auf. Laut Berichten von DW sind die finanziellen Schäden in Deutschland zwischen 2000 und 2020 auf nahezu 29 Milliarden Euro geschätzt worden. Global wird der Einnahmeverlust durch diese Betrugsmechanismen auf über 140 Milliarden Euro beziffert. Es wird immer noch auf eine rechtliche Lücke verwiesen, die es ausländischen Finanzinstituten ermöglicht, deutsche Aktien zu verleihen, um Steuererstattungen zu beanspruchen, was zur Komplexität der Problematik beiträgt.
Die Herausforderungen im Kampf gegen Finanzkriminalität
Anne Brorhilker hebt hervor, dass die Ermittlungen durch eine mangelnde Anzahl von Spezialisten in der Steuerprüfung und bei Ermittlungen zu Wirtschaftsdelikten erschwert werden. Zudem sind die kommunikativen Verbindungen zwischen den verschiedenen Behörden oft unsicher und ineffektiv. Diese Schwierigkeiten werden zusätzlich von bürokratischen Hürden internationaler Kooperationen begleitet, sodass der Austausch zwischen verschiedenen Steuerbehörden oft eingeschränkt bleibt.
Christoph Spengel von der Universität Mannheim warnt, dass trotz priorisierter rechtlicher Änderungen die Schlupflöcher, die solche Schemes ermöglichen, weiterhin bestehen bleiben. Dies wird durch die Praktiken des Cum-Cum-Betrugs verstärkt, die nach wie vor nicht effektiv gestoppt werden. Derweil befinden sich in Deutschland 253 Fälle von Steuerbetrug in den Ermittlungen, die insgesamt 7,3 Milliarden Euro betreffen.
Einfluss der Finanzindustrie
Ein weiterer Aspekt, der bei dieser Diskussion nicht angegangen werden kann, ist der Einfluss der Finanzindustrie auf die Gesetzgebung. Es wird geschätzt, dass die Branche jährlich fast 40 Millionen Euro für Lobbyarbeit ausgibt, um Steuergesetze und -regelungen zu beeinflussen. Im Bundestag sind 442 Lobbyisten der Finanzindustrie registriert, was im Durchschnitt zehn Lobbyisten pro Mitglied des Finanzausschusses bedeutet. Kritiker von Finanzwende äußern Bedenken hinsichtlich potenzieller Interessenkonflikte bei Gesetzgebern, der eventuell zusätzliche Einnahmen von lokalen Banken vorliegen.
Die bevorstehende Veranstaltung an der Heinrich-Heine-Universität bietet nicht nur einen Rahmen für aktuelle Diskussionen zu diesen drängenden Themen, sondern könnte auch wichtige Impulse zur Bekämpfung von Steuer- und Finanzkriminalität in Deutschland liefern.