In Brasilien besitzen etwa drei Prozent der Bevölkerung zwei Drittel der Landfläche, während viele Landarbeiter*innen unter prekären Verhältnissen leben und versuchen, ungenutztes Land zurückzugewinnen. Diese Ungleichheit und der Kampf um das Wohl gelebter Rechte stehen im Mittelpunkt der Videoarbeit „Fala da Terra“ (Voice of the Land), die von den Videokünstler*innen Benjamin Wagner und Bárbara de Burca präsentiert wird. Die Kunstinstallation ist Teil eines politischen Aktivismus, der der brasilianischen Landarbeiter-Bewegung MST mit rund 1,5 Millionen Anhängern eine Stimme geben will. Diese Bewegung übt auch Protest gegen die Wirkungslosigkeit der Verfassungsreform von 1988 zur Neuordnung der Agrarflächen aus, die vielversprechend begann, jedoch wenig Fortschritte machte.

Die Ausstellung findet in der STUDIENGALERIE 1.357 statt, die sich an der Goethe-Universität Frankfurt befindet. Eröffnet wurde die Schau am 29. Januar 2026 und sie läuft bis zum 21. Februar 2026. Bei der Eröffnung, die um 17:00 Uhr begann, konnten die Besucher*innen die verschiedenen Facetten der Videoarbeit erleben. Diese ist nicht nur als künstlerisches Werk zu verstehen, sondern beschäftigt sich auch intensiv mit der Darstellung realer gesellschaftlicher Probleme.

Künstlerische Ansätze und Methoden

Die Filmausschnitte der Installation reflektieren die Lebensrealitäten der Betroffenen und zeigen diese in eindringlichen Theaterszenen. Inspirierend wirkte dabei das „Theater der Unterdrückten“ von Augusto Boal, welches auf die Interaktion zwischen Künstler*innen und Publikum setzt. Auch Bertolt Brechts Prinzip des „aus der Rolle fallen“ findet Anwendung. Die Schlussszene der Videoinstallation ist besonders eindrücklich und zeigt einen Konflikt zwischen einer Regierungsvertreterin und einer indigenen Wortführerin, was die Spannungen und Herausforderungen in der Auseinandersetzung um Landrechte verdeutlicht.

Ein zentraler Bestandteil der Präsentation ist auch eine Originaltonspur aus dem Jahr 1996, die ein gewaltsames Ende einer Demonstration dokumentiert. Diese Szene erinnert eindrücklich an das Massaker an 21 Landarbeiter*innen, das kommentarlos wiedergegeben wird und so die Dramatik und die Brutalität des Konflikts unterstreicht.

Öffnungszeiten und Ort

Die STUDIENGALERIE 1.357 versteht sich als Lehr- und Lernprojekt der Goethe-Universität und ist von Montag bis Donnerstag zwischen 12 und 17 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei. Die Galerie befindet sich im IG-Farben-Haus, Norbert-Wollheim-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main. Parallel dazu präsentiert die SCHIRN KUNSTHALLE FRANKFURT eine Ausstellung über die Künstler*innen, die zusätzliches Licht auf deren Werk und Engagement wirft.

Wagner und de Burca arbeiten aktiv im Dialog mit Akteuren außerhalb des etablierten Kunstfeldes. Dies stärkt die Verbindung zwischen Kunst und Aktivismus und hebt die Stimmen von jenen hervor, die oft überhört werden. Die Ausstellung „Fala da Terra“ ist nicht nur eine künstlerische Auseinandersetzung, sondern auch ein wichtiger Bestandteil des politischen Dialogs über Landrechte in Brasilien, mit dem Ziel, die Stimmen der Entrechteten zu stärken und ein Bewusstsein für die Ungerechtigkeiten zu schaffen, die in diesem System verankert sind.