Eine aktuelle Studie hat neue Erkenntnisse über die Unterschiede zwischen Depressionen und Psychosen bei jungen Erwachsenen hervorgebracht. Laut der internationalen Untersuchung „Multivariate Brain-Blood Signatures in Early-Stage Depression and Psychosis“, die in JAMA Psychiatry veröffentlicht wurde, zeigen Betroffene in frühen Phasen beider Erkrankungen signifikante Unterschiede in Bezug auf Entzündungsmarker und strukturelle Veränderungen in der grauen Substanz des Gehirns. Diese Forschung wird von einem Team unter der Leitung von Dr. Dr. David Popovic vom Max-Planck-Institut für Psychiatrie, PD Dr. Lana Kambeitz-Ilankovic von der Universitätsmedizin Köln sowie Professorin Dr. Rachel Upthegrove von der Oxford-Universität durchgeführt.

Die Studie ist Teil des EU-geförderten Projekts PRONIA, das von 2014 bis 2019 mit sechs Millionen Euro unterstützt wurde. Ziel von PRONIA war es, Vorhersagetools zu entwickeln, um den Ausbruch psychischer Erkrankungen präziser prognostizieren zu können. Während der Untersuchung wurden zwischen 2013 und 2018 Daten von 678 Proband*innen aus Deutschland, Italien, der Schweiz, Finnland und dem Vereinigten Königreich gesammelt. Dabei standen Entzündungssignaturen im Blut und im Gehirn im Vordergrund, insbesondere Zytokine, die eine Rolle in der Zellkommunikation spielen.

Werbung
Hier könnte Ihr Advertorial stehen
Ein Advertorial bietet Unternehmen die Möglichkeit, ihre Botschaft direkt im redaktionellen Umfeld zu platzieren

Entzündungsmarker und Gehirnveränderungen

Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass in den frühen Phasen der Depression und Psychose unterschiedliche Muster von Zytokin-Werten vorliegen. Es wurden keine Gemeinsamkeiten zwischen den Entzündungs- und Gehirnsignaturen festgestellt. Während bei der Psychose-Signatur Hinweise auf eingeschränkte kognitive Fähigkeiten beobachtet wurden, zeigen die Daten klare Unterschiede zu den Entzündungsmarkern von Depressiven. Dies könnte neue Ansätze für maßgeschneiderte Therapien eröffnen und frühzeitige therapeutische Interventionen ermöglichen, um das Risiko eines schweren Verlaufs dieser Erkrankungen zu reduzieren.

Zusätzlich erweist sich die Entzündungsforschung als zunehmend relevant, da Menschen mit Depressionen im Durchschnitt höhere Entzündungswerte zeigen als gesunde Kontrollgruppen. Eine Meta-Analyse von 2019 hat ergeben, dass entzündungshemmende Medikamente, wie Omega-3-Fettsäuren und Statine, symptomatische Verbesserungen bei Depressionen bewirken können. Diese Zusammenhänge verdeutlichen den Einfluss von Entzündungen auf psychische Erkrankungen.

Langfristige Perspektiven und therapeutische Ansätze

Ein weiteres zentrales Ergebnis der Studienergebnisse ist, dass längere und intensivere Forschung notwendig ist, um geeignete therapeutische Interventionen zu entwickeln. Zukünftige Projekte könnten Technologien wie die Diffusions-Tensor-Bildgebung (DTI) verwenden, um die Entzündung im Gehirn genauer zu analysieren und Therapieansätze zu verfeinern.

Menschen, die an Depressionen leiden, können zudem oft verschiedene Symptome aufweisen, die auf erhöhte Entzündungen hinweisen, einschließlich Erschöpfbarkeit und Schlafprobleme. Stress und psychosoziale Belastungen können das Immunsystem aktivieren und so die Entzündungswerte erhöhen. Entzündungshemmende Routinen, wie regelmäßige Bewegung oder eine Änderung der Ernährung, können zur Besserung beitragen und werden zunehmend in Therapiepläne integriert.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Erkenntnisse über die Unterschiede zwischen Depression und Psychose aufzeigen, wie wichtig die Entzündungsforschung für die Entwicklung neuer Therapieansätze ist. Diese Forschungsweise könnte dazu beitragen, dass Betroffene schneller die benötigte Unterstützung erhalten.