Eine aktuelle Studie von der Universität Heidelberg, geleitet von Prof. Dr. Cornelia Wrzus und Prof. Dr. Corina Aguilar-Raab von der Universität Mannheim, untersucht die sozio-emotionalen Verhaltensänderungen bei jüngeren und älteren Erwachsenen. Die Forschung hat sich das Ziel gesetzt, die Effekte eines achtwöchigen Interventionsprogramms auf Stressbewältigung und soziale Interaktion zu analysieren. Hierbei nahmen insgesamt 165 Probanden teil, die sich aus jungen Erwachsenen in ihren Zwanzigern und älteren Erwachsenen im Alter von 60 bis 80 Jahren zusammensetzten.

Die Interventionssitzungen fanden wöchentlich statt und umfassten praktische Aufgaben für den Alltag. Um die Auswirkungen auf die „Emotionale Stabilität“ und „Extraversion“ zu messen, wurden die Teilnehmer zu verschiedenen Zeitpunkten – vor, während und nach dem Training sowie bis zu einem Jahr danach – befragt. Ein multi-methodischer Ansatz, bestehend aus Fragebögen und computerbasierten Tests, wurde verwendet.

Ergebnisse der Studie

Die Analyse der Ergebnisse zeigt, dass die durchschnittliche Veränderung in den sozio-emotionalen Verhaltensweisen und Persönlichkeitsmerkmalen in beiden Altersgruppen ähnlich war. Auffällig war jedoch, dass die älteren Teilnehmer ein höheres Engagement mit den Trainingsmaterialien und Aufgaben zeigten. Diese Resultate widersprechen dem gängigen Sprichwort „Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr“, und liefern positive Implikationen für die ältere Gesellschaft. Sie verdeutlichen, dass Motivation auch im Alter Lernen und Veränderung fördern kann. Weitere Mitwirkende an der Studie waren Gabriela Küchler, Kira Borgdorf, Prof. Dr. Wiebke Bleidorn und Prof. Dr. Jenny Wagner, und die Forschung wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift „Communications Psychology“ veröffentlicht.

Die Erkenntnisse aus dieser Forschung sind besonders relevant, da sie in einen breiteren Kontext passen. In jüngster Zeit hat die COVID-19-Pandemie die Schwächen im Bildungssystem aufgezeigt und den Fokus auf die Resilienz und psychische Gesundheit von Kindern gelegt. In diesem Zusammenhang wurde das Projekt „Kinder Stärken!“ ins Leben gerufen, das die Resilienz und seelische Gesundheit von Kindern in Kindertageseinrichtungen fördert. Zehn Kindertageseinrichtungen wurden in zwei Projektzyklen wissenschaftlich begleitet.

Psychische Gesundheit im Bildungssystem

Psychische Gesundheit ist mittlerweile ein zentraler Bestandteil der Bildungspläne in Deutschland. Die Integration von Expertise hinsichtlich der Förderung psychischer Gesundheit anerkennt die Bedeutung dieser Thematik in der Praxis. Digitale Bildungsmaterialien zur Gesundheitsförderung in Kitas werden durch das WiFF Transfer angeboten, die Erklärvideos, Infografiken, didaktische Texte und Hörbeiträge umfassen.

Die BELLA-Studie liefert zusätzlich wichtige Daten und Erkenntnisse über das seelische Wohlbefinden und Verhalten von Kindern und Jugendlichen. Diese Untersuchung ist Teil des Kinder- und Jugendgesundheitssurveys (KIGGS) des Robert-Koch-Instituts. Hierbei wurde eine repräsentative Stichprobe gesammelt, die zwischen 2003 und 2006 erhoben wurde und mittlerweile auch in drei weiteren Wellen fortgeführt wird.

Insgesamt zeigen all diese Initiativen, dass sowohl im Erwachsenen- als auch im Kindesalter die Förderung von Resilienz und emotionaler Gesundheit von zentraler Bedeutung ist, um den Herausforderungen, die sowohl das persönliche als auch das gesellschaftliche Leben mit sich bringt, gewachsen zu sein. Die Studien und Programme belegen eindrücklich, dass Lernen und persönliche Entwicklung in jedem Alter möglich sind und gefördert werden sollten.