Jährlich erleiden in Deutschland rund 270.000 Menschen einen ischämischen Schlaganfall, der die häufigste Form des Hirninfarkts darstellt und in 80 bis 85 Prozent der Fälle auftritt. Circa ein Drittel der Betroffenen erleidet einen Rückfall, insbesondere in den Tagen nach dem ersten Schlaganfall, wenn das Risiko für einen weiteren Hirninfarkt am höchsten ist. Um dieser alarmierenden Realität zu begegnen, hat die Technische Universität Dresden ein vielversprechendes Forschungsprojekt ins Leben gerufen, das als multizentrische Studie mit dem Namen POTENTIAL bekannt ist. Diese Initiative wird von Prof. Timo Siepmann geleitet und zielt darauf ab, eine neue Strategie zur Prävention wiederholter Schlaganfälle zu entwickeln.
Das Projekt erhält in seiner ersten Phase eine Förderung von 3 Millionen Euro durch das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) und hat ein Gesamtvolumen von 5,9 Millionen Euro. Diese finanzielle Unterstützung ist von großer Bedeutung, da sie es ermöglicht, neue Wege in der Schlaganfallbehandlung zu erforschen und mögliche Verbesserungen in der Patientenversorgung zu testen. Ein ischämischer Schlaganfall entsteht durch die Verstopfung eines Blutgefäßes im Gehirn, verursacht durch ein Blutgerinnsel, was die Notwendigkeit einer raschen Akutbehandlung unterstreicht.
Studienansatz und Therapiekonzept
Die Akutbehandlung zielt darauf ab, das betroffene Blutgefäß schnell wieder zu öffnen, um das Hirngewebe optimal mit Blut und Sauerstoff zu versorgen. Diese Behandlung kann sowohl medikamentös (z. B. durch die Auflösung des Gerinnsels) als auch mechanisch (z. B. mittels Katheter) erfolgen. Nach der Akutbehandlung erhalten Patienten Medikamente zur Verhinderung von Blutplättchenverklumpung. Üblicherweise wird bereits bei leichten Schlaganfällen ohne Akutbehandlung eine Kombinationstherapie aus Acetylsalicylsäure (ASS) und Clopidogrel eingesetzt.
Die Studie POTENTIAL wird nun einen Schritt weiter gehen und untersuchen, ob diese Kombinationstherapie nach einer erfolgreichen Wiedereröffnung des Gefäßes effektiv und sicher ist. Ziel ist es herauszufinden, ob eine 21-tägige verstärkte Hemmung der Blutplättchen das Risiko für erneute Schlaganfälle signifikant senkt, ohne das Risiko für Blutungen zu erhöhen. An der Studie werden rund 2.100 Patienten teilnehmen, die nach dem Ausschluss einer Hirnblutung in zwei Gruppen aufgeteilt werden.
Details zur Patientengruppe und Methodik
Die Behandlungsgruppe wird über einen Zeitraum von drei Wochen die intensivierte Therapie mit ASS und Clopidogrel erhalten, während die Kontrollgruppe lediglich die Standardtherapie mit ASS allein erhält. Der Behandlungserfolg wird durch MRT-Bildgebung sowie einer klinischen Beurteilung gemessen, was eine umfassende Datenerhebung zur Wirkung der Therapie ermöglicht.
Der Beginn des Projekts ist für Februar 2026 geplant. Ein positives Ergebnis könnte weitreichende Konsequenzen haben und sowohl nationale als auch internationale Leitlinien zur Schlaganfallbehandlung beeinflussen, was letztlich die Versorgung der Patienten verbessern würde. Solche Fortschritte sind von großer Bedeutung, insbesondere in Anbetracht der hohen Zahl von wiederholten Schlaganfällen und der damit verbundenen Belastungen für die Betroffenen und das Gesundheitssystem.
In diesem Kontext stellt die Studie POTENTIAL eine bedeutende Chance dar, die Therapien zur Schlaganfallprävention auf ein neues Niveau zu heben und eine nachdrückliche Veränderung im Umgang mit dieser schwerwiegenden Erkrankung anzustoßen. tu-dresden.de berichtet, dass diese Initiative nicht nur in Deutschland, sondern auch international auf großes Interesse stößt.