Am 19. März 2026 hat die Universität Bremen ein bedeutendes Forschungsprojekt angekündigt, das die psychische Gesundheit von Studierenden in Deutschland in den Fokus rückt. Unter dem Projektnamen „CAMPUS – Cultivating mental health promotion for university students“ wird das Vorhaben durch den Bund mit 800.000 Euro über drei Jahre gefördert. Ziel des Projektes ist es, das Wohlbefinden und die Belastung von Studierenden systematisch zu untersuchen und evidenzbasierte Handlungsempfehlungen für Hochschulen zu entwickeln. Die Forschungsarbeit erfolgt in enger Kooperation mit vier Verbundpartnern: dem Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie – BIPS, der Martin-Luther-Universität Halle, der Charité Universitätsmedizin Berlin sowie der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, unter der Leitung von Dr. Stefanie Helmer vom Institut für Public Health und Pflegeforschung (IPP) der Universität Bremen.

Das Projekt zielt darauf ab, Risiko- und Resilienzfaktoren für psychische Belastungen auf individueller Ebene zu analysieren und dabei auch die strukturellen Rahmenbedingungen der Hochschulen zu berücksichtigen. Besondere Aufmerksamkeit gilt kritischen Phasen im Studienverlauf, wie der Abschlussphase, sowie besonderen Studierendengruppen, etwa Studierenden mit Care-Aufgaben oder erstmalig Studierenden. Daten werden an verschiedenen Hochschulen erhoben, aus Sekundärdaten ausgewertet und qualitative Erhebungen durchgeführt.

Psychische Gesundheit im Kontext der Pandemie

Die Notwendigkeit solcher Untersuchungen wurde durch die Verschlechterung der psychischen Gesundheit von Studierenden während der COVID-19-Pandemie deutlich, wie Resultate der Befragung zu Studienbedingungen und (psychischer) Gesundheit an Hochschulen – StudiBiFra zeigen. In diesem Projekt, das insgesamt 20.060 Studierende an zehn deutschen Hochschulen zwischen Juni 2021 und Juli 2022 befragte, wurden besorgniserregende Daten erhoben. So machten sich 36,4% der Studierenden oft oder (fast) immer Sorgen um ihre Gesundheit. Zudem berichteten 39,0% von einem verminderten Freudeempfinden und 32,0% gaben an, sich oft oder (fast) immer traurig zu fühlen. Die Ergebnisse verdeutlichen, dass erhebliches Potenzial für Gesundheitsförderung und Prävention besteht, insbesondere für identifizierte vulnerable Gruppen wie weibliche und diverse Personen sowie Studierende jenseits des ersten Studienjahres.

Ältere Studierende über 25 Jahre wiesen zudem eine höhere Wahrscheinlichkeit für Depressionen und Stress auf. Daher wird empfohlen, die Fördermaßnahmen gezielt auf diese Gruppen auszurichten, um dem Anstieg psychischer Belastungen entgegenzuwirken. Die detaillierte Analyse dieser Herausforderungen ist daher notwendig, um langfristige Lösungen zu entwickeln.

Forschungsperspektiven und weitere Projekte

Ein weiteres wichtiges Forschungsprojekt, das sich mit der psychischen Gesundheit von Studierenden befasst, ist „StuPsy“. Hierbei handelt es sich um eine Kooperation zwischen mehreren Hochschulen, darunter die Pädagogische Hochschule Karlsruhe und die Universität Galway in Irland. Das Projekt untersucht systematisch psychische Belastungen während des Studiums und der Promotion sowie deren Auswirkungen auf Studienverläufe. Ziel ist es, eine frühzeitige Erkennung von mentalen Gesundheitsrisiken und eine gezielte Unterstützung für Studierende und Promovierende zu fördern. Wie auch das Projekt „CAMPUS“ wird auch „StuPsy“ über einen Zeitraum von drei Jahren gefördert und legt den Schwerpunkt auf vulnerable Gruppen und Risikofaktoren.

Der Mangel an Längsschnittstudien im Bereich der psychischen Gesundheit von Studierenden fordert die Wissenschaftler dazu auf, ihre Bemühungen zu intensivieren und die gesundheitlichen Herausforderungen in einem solchen Maße zu adressieren, dass sie sowohl akuten als auch langfristigen Bedürfnissen gerecht werden können.