Die Übertragung von Krankheitserregern durch Zecken ist ein bedeutsames Thema, das die Gesundheit vieler Menschen betrifft. Eine Pressekonferenz an der Universität Hohenheim, die am 17. Februar 2026 stattfand, brachte Experten zusammen, um über 25 Jahre FSME-Statistik und aktuelle Entwicklungen zu diskutieren. Prof. Dr. Ute Mackenstedt, Parasitologin, und Prof. Dr. Gerhard Dobler, Virologe, betonten die steigenden Fallzahlen der Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) in Deutschland.
Im Jahr 2025 wurden bereits 693 gesicherte FSME-Fälle registriert, zuzüglich 100 Verdachtsfälle. Dies unterstreicht einen dramatischen Anstieg, da 2024 bereits ein Rekordjahr mit 695 gesicherten Erkrankungen war. Besonders alarmierend ist, dass 80 % dieser Erkrankungen aus den Bundesländern Baden-Württemberg und Bayern stammen. Laut den Experten ist der Klimawandel ein entscheidender Faktor, der dazu führt, dass sich Zecken auch in kühleren Regionen verbreiten und mehr Frosttage überstehen können. Diese neue Verbreitung erhöht das Risiko für ungeschützte Personen enorm.
Gefahren und Schutzmaßnahmen
Die Infektionswahrscheinlichkeit in Risikogebieten liegt bei 1:50 bis 1:100. Diese Zahlen verdeutlichen, dass der Schutz durch eine Impfung unerlässlich ist. Nur Personen mit Antikörpern – entweder durch Impfung oder durch eine frühere Infektion – sind geschützt. Im Landkreis Passau beispielsweise haben bereits 80 % der Bevölkerung Antikörper, doch gleichzeitig steigt die Zahl der Erkrankungen weiter. Experten raten daher zu regelmäßigen FSME-Impfungen, um die derzeitige Bedrohung zu minimieren.
Die Symptome einer FSME-Infektion sind grippeähnlich und können in einer zweiten Krankheitsphase mit neurologischen Symptomen enden. Schwere Verläufe führen in manchen Fällen zu Lähmungen, Bewusstseinsstörungen und sogar Todesfällen, was den sicheren Umgang mit Zecken zunehmend wichtig macht. Da therapeutische Maßnahmen momentan nur auf die Linderung von Symptomen beschränkt sind, bleibt die Impfung die effektivste Präventionsstrategie.
Klimawandel und Zeckenaktivität
In diesem Zusammenhang ist das CLIMATICK-Projekt des Robert Koch-Instituts (RKI) von Bedeutung. Es erfasst Zeckenspezies und untersucht die durch Zecken übertragenen Pathogene, die durch den Klimawandel und die Globalisierung begünstigt werden können. Zudem wird ein Zecken-Atlas erstellt, der umfassende Informationen und Daten zu den in Deutschland vorkommenden Zeckenarten und ihren Erregern bietet. Hierbei wird auch die veränderte Zeckenfauna durch klimatische Veränderungen beoachtet.
Zecken sind ab einer Temperatur von etwa 8 Grad Celsius aktiv. Die Hauptsaison für Zecken zieht sich durch das Frühjahr, den Frühsommer und den Herbst, während sie im Winter eine Ruhephase einlegen. Doch milde Winter, die den Klimawandel widerspiegeln, könnten zu einer erhöhten Zeckenaktivität führen. FSME-Viren sind in etwa 5 % der Zecken in Risikogebieten vorhanden, während in Borreliose-Gebieten sogar bis zu 30 % der Zecken Bakterien übertragen können.
Zudem gibt es im Jahr 2025 drei neue FSME-Risikogebiete in Deutschland: den Stadtkreis Augsburg in Bayern, den Kreis Elbe-Elster in Brandenburg und den Landkreis Celle in Niedersachsen. Insgesamt gelten nun 183 Kreise als FSME-Risikogebiete. Dies zeigt, dass FSME-Infektionen nicht nur in bekannten Risikogebieten auftreten; auch außerhalb dieser Regionen sind Ansteckungen möglich.
Schutzmaßnahmen, wie das Tragen langer, heller Kleidung und die Anwendung von Insektensprays, sind unerlässlich, um das Risiko einer Infektion zu senken. Außerdem sollte man sich nach Aufenthalten im Freien regelmäßig absuchen. Denn trotz der Herausforderungen, die der Klimawandel mit sich bringt, kann jeder Einzelne aktiv an seiner Gesundheit arbeiten.
Für Interessierte bietet das CLIMATICK-Projekt die Möglichkeit, aktiv zur Datensammlung beizutragen. Alle ab 18 Jahren können Zecken einsenden und erhalten Rückmeldung über die geschickten Exemplare. Dieser direkte Austausch und die Veröffentlichung wertvoller Informationen schaffen ein Bewusstsein für die Risiken und die Wichtigkeit des richtigen Umgangs mit Zecken.
Für detaillierte Informationen und um aktiv am Projekt teilzunehmen, können sich Interessierte bei climatick@rki.de wenden. Hier sind sowohl Forschung als auch Bewusstseinsbildung wichtige Schritte, um die Herausforderungen durch zeckenübertragene Erkrankungen erfolgreich anzugehen.



