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Am 18. März 2026 wurde in Deutschland zum ersten Mal der Tag der Demokratiegeschichte gefeiert, ein bedeutendes Ereignis, das den Wert und die Entwicklung demokratischer Strukturen in der Gesellschaft würdigt. Vom 18. bis 22. März finden bundesweit über 250 Veranstaltungen und Aktionen statt, die dazu beitragen, das Bewusstsein für Demokratie zu stärken.

Das Labor für Demokratiebildung der Universität Passau beteiligt sich an diesem Highlight mit einer eigenen Veranstaltung am 21. März. Das Labor, das im Oktober 2025 eröffnet wurde, verfolgt das Ziel, Angebote der politischen Bildung zu entwickeln, die insbesondere an künftige Lehrkräfte gerichtet sind. Es engagiert sich für eine offenere und liberalere Demokratie und bietet auch Bildungsangebote für die breite Öffentlichkeit an.

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Das Programm im Detail

Im Rahmen des Studieninfotags an der Universität Passau, der am 21. März von 10 bis 13 Uhr im Zentrum für Medien und Kommunikation (ZMK), Raum 004, Innstr. 33a, stattfindet, gibt Dr. Linda von Keyserlingk-Rehbein Einblicke in die aktuellen Projekte des Labors. Besonders herauszuheben ist ein Oral-History-Projekt, das sich mit Diktaturerfahrungen in der DDR beschäftigt, indem Zeitzeuginnen und Zeitzeugen befragt werden.

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Die gewonnenen Videoaufzeichnungen werden in digitale Lehr- und Lernmodule integriert, um Themen wie Freiheit und Unfreiheit in politischen Systemen sowie Menschenrechte, politisches Handeln und Widerstand anschaulich darzustellen. Ein wichtiges Ereignis fand bereits am 17. März 2026 statt, bei dem Bernd und Dr. Elke Dämmrich über ihre Erfahrungen berichteten, nachdem sie 1976 bei einem Fluchtversuch aus der DDR verhaftet wurden.

Die Bedeutung der Oral History

Oral History, was wörtlich „mündliche Geschichte“ bedeutet, ist eine anerkannte Methode in der Geschichtswissenschaft. Diese Methode basiert auf lebensgeschichtlichen Interviews, die Historiker:innen nutzen, um bestimmte historische Aspekte zu erforschen und um das Verständnis für die Vergangenheit zu vertiefen. Besonders in Bezug auf die DDR und die Zeit der Transformation spielt die Oral History eine zentrale Rolle, da sie es ermöglicht, individuelle Erfahrungen zu dokumentieren und zu analysieren.

Die Forschungsstelle für Oral History hat sich auf die „ostdeutsche Erfahrung“ spezialisiert und untersucht die spezifischen Herausforderungen und Möglichkeiten, die sich aus den Erzählungen ehemaliger DDR-Bewohner ergeben. Diese Methode ergänzt schriftliche Quellen, die häufig institutionalisierten Perspektiven entsprechen, und schafft somit einen tieferen Zugang zur Geschichte, der für die politische Bildung von wesentlicher Bedeutung ist.

Herausforderungen und Möglichkeiten der Zeitzeugenarbeit

Die Arbeit mit Zeitzeugen bringt jedoch auch Herausforderungen mit sich. Angelika Rieber hebt hervor, dass Lehrkräfte oft einen „Sprung der Erkenntnis“ von den Berichten der Zeitzeugen erwarten, während Gottfried Kößler die Notwendigkeit betont, klare Lernziele zu definieren. Empathie, Zivilcourage und Respekt für Menschenrechte sind einige der Lernziele, die in der pädagogischen Arbeit mit Zeitzeugen verfolgt werden sollten.

Einzigartig ist, dass Zeitzeugen oft als unverfälschte Geschichtsträger missverstanden werden; ihre Berichte sind vielmehr Konstruktionen, die von persönlicher Wahrnehmung und Erinnerungsvermögen geprägt sind. Dies erfordert eine sorgfältige Auswahl geeigneter Zeitzeugen für Projekte, da nach über 60 Jahren viele Zeitzeugen nun nicht mehr zur Verfügung stehen.

Für die Vorbereitung und Durchführung von Begegnungen mit Zeitzeugen sind organisatorische Maßnahmen entscheidend. Eine vertraute Begleitperson für den Zeitzeugen kann hilfreich sein, um ein vertrauensvolles Umfeld zu schaffen. Die psychosoziale Betreuung ist notwendig, um potenzielle Retraumatisierungen zu vermeiden und sicherzustellen, dass der Zeitzeuge in einem geschützten Rahmen spricht.

Insgesamt bietet das Labor für Demokratiebildung der Universität Passau eine wertvolle Plattform, um die Reflexion über Demokratie und Diktatur zu fördern und jungen Menschen Möglichkeit zu geben, aus den Erfahrungen der Vergangenheit zu lernen. Die Ereignisse rund um den Tag der Demokratiegeschichte machen dies besonders deutlich und unterstützen eine aktive Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichtskultur.

Für weitere Informationen zu den Veranstaltungen und der Arbeit des Labors für Demokratiebildung besuchen Sie bitte die Universität Passau. Details zur Methodik der Oral History finden Sie auf der Universität Erfurt und zur historisch-politischen Bildung auf der Bundeszentrale für politische Bildung.