Am 12.03.2026 hat das Thüringer Innovationszentrum Mobilität (ThIMo) einen bedeutenden Fortschritt in der Sicherheits- und Kommunikationsforschung für automatisierte Fahrzeuge verkündet. Als Herzstück der Forschung fungiert die „Bistatische Radarreflektivitätsmessanlage BiRa“, die im Rahmen der „Virtuellen Straße – Simulations- und Testanlage VISTA“ implementiert wird. Diese hochmoderne Anlage zielt darauf ab, die Reflexionseigenschaften in der Umgebung von Fahrzeugen zu messen und dabei komplex geformte Objekte im Millimeterabstand vollständig zu erfassen.
Herkömmliche Methoden zur Datenauswertung benötigen Wochen oder Monate. Angesichts der Dynamik des Straßenverkehrs ist dies jedoch unzureichend. Eine neu gegründete Forschungsgruppe hat sich zum Ziel gesetzt, ein schnelles Messverfahren zu entwickeln, das eine präzise Reflexionserfassung ermöglicht. Diese Innovation soll es selbstfahrenden Autos ermöglichen, angemessen auf Hindernisse wie Kinderbälle zu reagieren, was die Sicherheitsstandards im Straßenverkehr erheblich verbessern könnte.
Wissenschaftliche Expertise und Forschungsschwerpunkte
An der TU Ilmenau sind mehrere Fachgebiete an diesem Projekt beteiligt, insbesondere in den Bereichen Hochfrequenz- und Mikrowellentechnik sowie Funktechnologien für automatisierte und vernetzte Fahrzeuge. Die an dieser Forschung beteiligten Professoren, darunter Prof. Thomas Dallmann, Prof. Matthias Hein und Prof. Reiner Thomä, fokussieren sich auf Messdatenerhebung, Signalverarbeitung und automatisierte Anlagensteuerung. Ziel ist es, 6G-Kommunikations- und Radarsysteme zu entwickeln, die den Komfort und die Sicherheit für alle Verkehrsteilnehmer erhöhen.
Die Forschungsergebnisse sollen nicht nur den Fahrzeugherstellern und Netzbetreibern zugutekommen, sondern auch zur Verbesserung und Erprobung neuer Technologien beitragen. Ein weiteres Potenzial dieser Entwicklung liegt im Bereich der zivilen Sicherheit; sie könnte dazu beitragen, Drohnen zu detektieren und kritische Infrastrukturen zu schützen. Prof. Dallmann hebt hervor, dass diese Fortschritte eine Chance für die zukünftige Sicherheit der Bevölkerung in Europa darstellen.
Radartechnik als Schlüsseltechnologie
Radar bleibt eine unverzichtbare Sensorkomponente für Fahrzeuge, da die Technologie unabhängig von Wetterbedingungen und Tageslicht funktioniert. Millimeterwellen zeigen eine hervorragende Durchdringung bei verschiedenen Witterungsbedingungen wie Regen, Schnee und Nebel. Die Integration des Radarsensors erfolgt gewöhnlich im Stoßfänger des Fahrzeugs.
Das Fraunhofer FHR hat Methoden zur Materialcharakterisierung entwickelt, die für die Leistungsfähigkeit des Radarsensors entscheidend sind. Zu diesen Methoden gehört die Vermessung von planaren ein- und mehrschichtigen Kunststoffproben im Frequenzbereich von 75-85 GHz, um die komplexe Dielektrizitätszahl zu bestimmen. Der Einfluss von Lackierungen und Primer-Schichten auf die Reflexionseigenschaften wurde ebenfalls untersucht, da solche Schichten die Radarperformance erheblich beeinträchtigen können.
Ein besonderes Augenmerk gilt auch der Charakterisierung von Fahrzeugemblemen, die im Kühlergrill hinter dem Radar positioniert sind. Diese Embleme sind für die Radarperformance von Bedeutung, und gemeinsam mit Hyundai Mobis wird an optimierten Designs gearbeitet, um die besten Ergebnisse zu erzielen.
Förderprogramme für autonome Mobilität
Forschungsförderung spielt eine zentrale Rolle in der Digitalisierung des Mobilitätssektors in Deutschland. Das Bundesministerium für Digitales und Verkehr (BMV) unterstützt Projekte, die auf autonomes und vernetztes Fahren in öffentlichen Verkehren abzielen. Ziel der Förderrichtlinie ist es, anwendungsorientierte Forschungsvorhaben zu unterstützen, die eine Überführung von autonomen Fahrzeugen in den Regelbetrieb ermöglichen.
Diese Förderung umfasst verschiedene Verkehrsträger, darunter Straßenverkehr, Schiene und Wasserstraße, und soll zu einer Steigerung der Verkehrssicherheit sowie einer emissionsreduzierten Mobilität beitragen. Die Förderung zielt darauf ab, die Akzeptanz für automatisierte Mobilität zu erhöhen und die rechtlichen Rahmenbedingungen zu optimieren.
Insgesamt stellt die strategische Kombination dieser Forschungen und Förderungen einen wichtigen Schritt towards der künftigen Mobilität dar, die sicherer, umweltfreundlicher und effizienter sein soll. Die Kombination aus technologischem Fortschritt und geteiltem Wissen wird entscheidend sein, um den Anforderungen der modernen Verkehrsinfrastruktur gerecht zu werden.
Für weitere Informationen über die Entwicklungen in der Mobilitätsforschung finden Sie wichtige Details über das Thüringer Innovationszentrum Mobilität auf tu-ilmenau.de, die Radarcharakterisierung auf fhr.fraunhofer.de und die Forschungsförderung auf bmv.de.