In einer neuen Publikation von der Universität Osnabrück thematisieren die Biologen Norbert Sachser und Niklas Kästner die Anpassungsstrategien von Tieren in einem sich rasant verändernden Umfeld. Ihr neues Buch mit dem Titel „Tierwelt am Limit. Die erstaunlichen Anpassungsstrategien der Wild- und Haustiere und ihr Scheitern im Anthropozän“, welches beim Rowohlt-Verlag erschienen ist, beleuchtet, wie Wildtiere und Haustiere sich überraschend gut und schnell an veränderte Lebensbedingungen anpassen können.

Einige der im Buch diskutierten Beispiele sind faszinierend: Kakadus in Australien haben gelernt, Mülltonnen zu öffnen, um Nahrung zu finden, während Schweine in der Lage sind, eingesperrte Artgenossen zu befreien. Diese bemerkenswerten Anpassungen lassen jedoch auch die Limitationen der Tierarten erkennen, denn die Anpassungsfähigkeit ist nicht unbegrenzt. Die Wildtierbestände schrumpfen, viele Arten sterben aus, und Haustiere leiden unter extremen Haltungsbedingungen und fragwürdigen Zuchtzielen, was die Notwendigkeit eines radikalen Wandels im Umgang mit der Natur unterstreicht.

Anpassung an menschengemachte Veränderungen

Die Herausforderungen, vor denen Tiere stehen, sind auch Teil eines größeren Umweltdiskurses. Laut der Webseite Artensterben.de haben menschliche Aktivitäten tiefgreifende Auswirkungen auf die Ökosysteme und die Organismen, die darin leben. Viele Spezies sind bereits ausgestorben, während andere versuchen, sich an die menschengemachten Veränderungen anzupassen. Beispiele hierfür sind Stadttauben, die Gebäude als Nistplätze nutzen, und Waschbären, die in städtischen Mülltonnen nach Nahrung suchen.

Darüber hinaus zeigt eine Analyse verschiedene Tiere, die kreative Strategien entwickelt haben, um in urbanen Umgebungen zu überleben. Füchse und Krähen nutzen städtische Räume effektiv, wobei Krähen beispielsweise Nüsse auf Straßen fallen lassen, um sie später zu öffnen. Ein weiteres beeindruckendes Beispiel ist die adaptive Evolution des Birkenspanners, dessen dunkle Varianten durch Luftverschmutzung einen Überlebensvorteil erhalten hatten.

Resilienz der Natur und ihre Grenzen

Die Resilienz der Natur wird durch die Notwendigkeit solcher Anpassungen in Frage gestellt. Unbestreitbar ist auch der Druck, den menschliche Eingriffe auf die Tierarten ausüben. Dies erfordert ein Umdenken: Die Anpassungen sind oft notwendig geworden durch die Zerstörung und Veränderung natürlicher Lebensräume. Die dramatischen Veränderungen des Lebensraums von Wildtieren im Anthropozän sind eine direkte Folge dieser Eingriffe.

In Bezug auf den Erhalt biologischer Vielfalt ist es wichtig, nicht nur Anpassungsstrategien zu beobachten, sondern auch aktiv Maßnahmen zum Schutz von Lebensräumen und Arten zu ergreifen. Das Umweltbundesamt hebt hervor, dass der Schutz einheimischer Arten eine zentrale Rolle spielt, um die Ausbreitung invasiver Arten zu verhindern. Dazu gehören Maßnahmen wie Aufklärung, Monitoring sowie Sofortmaßnahmen zur Bekämpfung invasiver Arten.

Im Kontext der globalen Herausforderungen ist es entscheidend, dass sowohl Wissenschaftler als auch die breite Öffentlichkeit auf die dramatischen Entwicklungen aufmerksam gemacht werden und zusammenarbeiten, um die Vielfalt der Tierwelt für kommende Generationen zu erhalten.