Die Universität Potsdam hat am 23. Februar 2026 einen bedeutenden Schritt in der Zusammenarbeit mit Namibia unternommen. Eine Delegation, bestehend aus Uni-Präsident Prof. Oliver Günther, Ph.D., sowie Vertretern der Umweltwissenschaften, Biologie, Botanischen Garten und Informatik, traf sich mit dem Botschafter Namibias, S.E. Jerobeam Shaanika. Ziel des Treffens war die Intensivierung der Beziehungen zu namibischen Hochschulen, insbesondere der University of Namibia (UNAM) und der Namibia University of Science and Technology (NUST). Damit soll der bereits bestehende Austausch in den Bereichen Forschung und Bildung vertieft werden.

In den Gesprächen wurden die bestehenden Forschungskooperationen erörtert. Diese umfassen wichtige Projekte zu gefährdeten Pflanzen, Optimierung von Weideflächen, Strategien für das Wildtiermanagement und klimaangepasstes Wassermanagement. Prof. Günther hob hervor, dass auch Potenzial für zukünftige Kooperationen in Bereichen wie der Wasserstoffproduktion und der Entsalzung von Meereswasser besteht. Zudem plant der Botanische Garten Potsdam, eine Zusammenarbeit mit dem Botanischen Garten in Windhoek aufzubauen.

Namibia im Fokus: Die Herausforderungen der Wüstenbildung

Namibia, das trockenste Land in Subsahara-Afrika, sieht sich erheblichen Herausforderungen durch den Klimawandel und dem Bevölkerungswachstum gegenüber. In diesem Kontext wird die Forschungsinitiative „NamTip“ von der Universität Potsdam geleitet, die am 12. Juni 2025 nach Namibia reisen wird. Das Projekt untersucht ökologische Schwellenwerte in den Weidelandschaften des Landes und deren Gefährdung durch nicht nachhaltige Landnutzung und Klimaänderungen. Prof. Anja Linstädter ist die Projektleiterin, und das Vorhaben erhält Unterstützung vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR).

Das Hauptziel von „NamTip“ liegt in der Entwicklung evidenzbasierter Strategien zur Bekämpfung der Wüstenbildung und zur Wiederherstellung degradierten Landes. Die Methodik kombiniert ökologische und soziale Forschung sowie Szenarienmodellierung. Ein Teil des Projekts ist die bevorstehende Winterschule vom 16. bis 21. Juni, die namibischen Studierenden Einblicke in die Herausforderungen und Lösungen im Bereich des nachhaltigen Weidemanagements bietet.

Wissenstransfer für nachhaltige Lösungen

Das deutsch-namibische Forschungsteam im Rahmen des „NamTip“-Projekts untersucht auch die sozialen und ökologischen Kipppunkte im Savannensystem Namibias. Solche Kipppunkte sind entscheidend, da sie den Moment markieren, ab dem ökologische und soziale Prozesse unumkehrbar werden. Die Hauptursachen für diese Kipppunkte sind Klimawandel und nicht nachhaltige Weidenutzung. Durch Workshops und Veranstaltungen wird angestrebt, den Wissenstransfer an lokale Künstler zu fördern, was eine zentrale Maßnahme zur Wiederherstellung der Weidelandschaften darstellt.

Die Ergebnisse der Forschung zeigen, dass extreme Dürre und Überweidung zu einem drastischen Rückgang der Vitalität der mehrjährigen Gräser führen. Ein wichtiger Bestandteil des Projekts ist die Entwicklung von Hilfestellungen, wie Factsheets zu Weidewirtschaft und Schutzmaßnahmen für die Gräser. So wird ein umfassender Ansatz verfolgt, um die Widerstandsfähigkeit der Savannen zu stärken und die biologischen Ressourcen für lokale Gemeinschaften zu sichern.

Insgesamt manifestiert sich durch die Kooperation zwischen der Universität Potsdam und namibischen Institutionen nicht nur ein akademischer Austausch, sondern auch ein entscheidender Beitrag zur Bewältigung den Herausforderungen des Klimawandels und der Wüstenbildung in Namibia.