Die Universität Witten/Herdecke (UW/H) hat in der dritten und finalen Auswahlrunde des Professorinnenprogramms 2030 erfolgreich abgeschnitten. Laut uni-wh.de wurde die UW/H unter 44 bundesweit ausgewählten Hochschulen hervorgehoben, deren Gleichstellungskonzepte als besonders geeignet erachtet werden, um die Parität in der Wissenschaft voranzutreiben. Bemerkenswert ist, dass die UW/H als einzige private Universität in dieser Auswahl vertreten ist.
Das Professorinnenprogramm wurde 2008 ins Leben gerufen und hat seitdem Grundsteine zur Förderung der Gleichstellung von Frauen und Männern in der deutschen Wissenschaft gelegt. Es stellt die zentrale Maßnahme von Bund und Ländern dar, um den Frauenanteil in Hochschulen nachhaltig zu erhöhen und die sogenannten „Leaky Pipeline“-Effekte zu bekämpfen, die dazu führen, dass Frauen in den späteren Berufsphasen der Wissenschaft stark unterrepräsentiert sind. Der aktuelle Frauenanteil unter den hauptberuflichen Professoren in Deutschland lag Ende 2023 bei 29%, ein Anstieg im Vergleich zum Vorjahr. Besonders in den Geisteswissenschaften ist der Frauenanteil mit 43% am höchsten, während er in den Ingenieurwissenschaften nur 16% beträgt, wie das Statistische Bundesamt berichtet.
Fördermittel und Karrierechancen
Mit der Zulassung zum Professorinnenprogramm kann die Universität Witten/Herdecke Fördermittel für die Erstberufung von bis zu drei Wissenschaftlerinnen auf unbefristete Professuren beantragen. Dr. Dirk Jakobs, Vizepräsident für Organisationsentwicklung und Diversity Management der UW/H, bezeichnet den Erfolg als bedeutenden Schritt zur Verbesserung der Karriereansprüche und zur Gewinnung exzellenter Wissenschaftlerinnen. Dies könnte sowohl die Gleichstellungsanstrengungen innerhalb der Universität als auch die allgemeine akademische Landschaft in Deutschland radikal prägen.
Das Programm umfasst eine Laufzeit von acht Jahren, während der über 320 Millionen Euro verteilt werden, um Gleichstellungskonzepte zu fördern und Hochschulen zu unterstützen. Bislang hat das Professorinnenprogramm mehr als 1000 Professuren gefördert und zahlreiche Hochschulen auf dem Weg zu mehr Gleichstellung unterstützt. Besonders relevante Aspekte sind die zweistufigen Antragsverfahren, bei denen Hochschulen zuerst ein Gleichstellungskonzept bis zum 31. August 2025 einreichen müssen, gefolgt von einem förmlichen Förderantrag, dessen positives Ergebnis zur weiteren finanziellen Unterstützung führt.
Die Herausforderungen der Gleichstellung
Die anhaltende Ungleichheit im Wissenschaftsbereich liegt auf der Hand. Trotz der Erfolge, die in den letzten Jahren erzielt wurden – der Frauenanteil in der Professorenschaft hat sich seit 2013 kontinuierlich erhöht – zeigt die aktuelle Statistik auch, dass noch viel Arbeit vor uns liegt. So lag der Anteil von Frauen mit einem Doktortitel im Prüfungsjahr 2023 bei 46%, während der Frauenanteil bei den Professuren weiterhin hinter den Habilitationen zurückbleibt.
Die Universität Witten/Herdecke spielt mit ihrer neuesten Auszeichnung eine Schlüsselrolle in der deutschen Hochschullandschaft. Die Etablierung von mehr.gendergerechten Strukturen ist nicht nur notwendig, um den steigenden Frauenanteil bei Studienanfängern, der im Wintersemester 2023/2024 bei 52% lag, auch in wissenschaftlichen Karrieren sichtbar zu machen, sondern auch um die Wissenschaft insgesamt zukunftssicher und divers zu gestalten.