Was macht ein gutes Geschäft aus? Diese Frage steht im Zentrum der aktuellen Diskussion um Unternehmensgeschichte und deren Einfluss auf moderne Gesellschaften. Dr. Wolfgang Holtkamp hat sich dazu mit Prof. Boris Gehlen, Inhaber der Stiftungsprofessur für Unternehmensgeschichte an der Universität Stuttgart, unterhalten. Im Podcast auf der Webseite der Universität Stuttgart wird erörtert, wie Unternehmen nicht nur wirtschaftliche Macht ausüben, sondern auch eine immense gesellschaftliche Verantwortung tragen. Diese Verantwortung ist sowohl historisch als auch in der gegenwärtigen Zeit von Bedeutung. Die Universität Stuttgart berichtet über die Erkenntnisse, die in dieser Podcastfolge geteilt werden.

Die Diskussion thematisiert auch die Rolle der Unternehmensgeschichte als eigenständige Disziplin, die zunehmend anerkannt wird. Diese Entwicklung zeigt sich nicht zuletzt in der deutschen Forschungslandschaft. Unternehmen haben das Potenzial, gesellschaftliche Entwicklungen erheblich zu prägen, und deren Geschichte kann viel über Entscheidungsfindungen unter Unsicherheit enthüllen. Prof. Gehlen ermutigt insbesondere Studierende, neugierig zu bleiben, Fragen zu stellen und selbstbewusst ihren eigenen Weg zu gehen – eine wertvolle Aufforderung in einer Zeitenwende der unternehmerischen Verantwortung.

Die Verantwortung der Unternehmen

In einem sich schnell verändernden globalen Umfeld steht die Verantwortung von Unternehmen in Bezug auf Demokratie, Globalisierung und Regulierung im Mittelpunkt vieler wissenschaftlicher Betrachtungen. Wie das Bundesministerium für Arbeit und Soziales hervorhebt, sind gesamtgesellschaftliche Anstrengungen nötig, um globale Herausforderungen wie den Klimawandel oder die Armutsbekämpfung zu bewältigen. Dies bedeutet, dass Unternehmen auch dann internationale Sozial- und Umweltstandards einhalten sollen, wenn im Produktionsland keine entsprechenden Gesetze existieren.

Die Bundesregierung verfolgt seit vielen Jahren eine systematische Corporate Social Responsibility (CSR)-Politik, um die Verantwortung in der Wirtschaft auf ein höheres Niveau zu heben. Dies geschieht im Einklang mit internationalen Entwicklungen und zielt darauf ab, CSR in Deutschland zu verankern, insbesondere in Bezug auf Liefer- und Wertschöpfungsketten. Der Nationale Aktionsplan Wirtschaft und Menschenrechte, der die VN-Leitprinzipien umgesetzt hat, hat dazu beigetragen, die menschenrechtliche Lage entscheidend zu verbessern. Dennoch zeigt eine Unternehmensbefragung, dass nur etwa 20% der Unternehmen mit mehr als 500 Beschäftigten ihrer menschenrechtlichen Sorgfaltspflicht nachkamen.

Die Entwicklung der Unternehmensgeschichte

Die Unternehmensgeschichte selbst hat sich als Subdisziplin etabliert, die interdisziplinäre Verbindungen zur Sozial-, Geschlechter-, Technik- und Umweltgeschichte aufweist. In den letzten Jahren ist ein wachsendes Interesse an dieser Disziplin zu beobachten, insbesondere weil aktuelle Wirtschafts- und Finanzkrisen neue Perspektiven erfordern. Mehrere Fachvereinigungen, darunter die Gesellschaft für Unternehmensgeschichte (GUG) in Deutschland und die Business History Conference (BHC) in den USA, tragen zur Sichtbarkeit und Kommunikation der Unternehmensgeschichte bei. Clio Online erläutert, dass diese Fachorganisationen eine wichtige Rolle bei der Förderung der wissenschaftlichen Unabhängigkeit spielen.

Darüber hinaus hat die digitale Transformation auch die Unternehmensgeschichte erreicht. Digitale Ressourcen und Online-Zugänge zu Archiven werden immer wichtiger, obgleich in Deutschland zentrale Portale für Unternehmensgeschichte noch fehlen. Historiker stehen oft vor der Herausforderung, Archive selbst aufzusuchen, um seriöse Unternehmensgeschichten zu erzählen. Die Entwicklung nachhaltiger digitaler Recherchemöglichkeiten könnte hier eine entscheidende Unterstützung bieten.