Ein internationales Forschungsteam unter der Leitung der Universität Tübingen hat bedeutende Funde in der Fundstelle Jojosi in Südafrika gemacht. Diese Stätte liefert den Nachweis, dass Menschen bereits vor 220.000 Jahren gezielt Rohstoffe abbauten. Damit wird das früher dominierende Paradigma des beiläufigen Sammelns widerlegt. Die Studie, die in der Fachzeitschrift Nature Communications veröffentlicht wurde, zeigt eine langfristige Nutzung dieser Rohstoffquelle durch frühzeitliche Menschen.

Die Ausgrabungen enthüllten zahlreiche Spuren des Hornfelsabbaus, darunter Blöcke, Abschläge, Produktionsabfälle und Hammersteine. Es wurde festgestellt, dass Hornfels in der Steinzeit zur Herstellung von Werkzeugen verwendet wurde. Die Abwesenheit von Endprodukten und anderen Besiedlungsspuren deutet stark darauf hin, dass die Menschen gezielt Rohstoffe für die Werkzeugherstellung sammelten.

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Einblick in die Fundstelle Jojosi

Laut Lumineszenzdatierungen reicht die Nutzung der Fundstelle Jojosi mindestens bis 110.000 v. Chr. zurück. Diese archäologische Stätte befindet sich in einer Graslandschaft, etwa 140 Kilometer von der Küste des Indischen Ozeans entfernt. Die geologischen Prozesse im Pleistozän schufen hier eine Landschaft mit Erosionsrinnen und freiliegenden Hornfelsschichten, die die Abbauaktivitäten erleichterten.

Das interdisziplinäre Team, das seit 2022 die Geologie und Archäologie der Region untersucht, hat bei Ausgrabungen im Jahr 2024 hochgradige Funddichten von 200.000 bis zu zwei Millionen Artefakten pro Kubikmeter entdeckt. Alle Sedimente wurden sorgfältig gesiebt, um selbst die kleinsten Abschläge zu bewahren.

Revolutionäre Erkenntnisse

Besonders bemerkenswert ist, dass 353 Artefakte zu sogenannten Refits zusammengesetzt wurden, um den Arbeitsprozess der frühen Menschen nachvollziehen zu können. Die Ergebnisse dieser Untersuchungen belegen die frühen Wurzeln des menschlichen Planungsvermögens und die bewusste Auswahl von Ressourcen. Die genaue Verortung der Fundstelle Jojosi sowie die räumliche Verteilung der Fundstellen im Grabungsgebiet wurden ebenfalls dokumentiert.

Ein weiterer relevanter Kontext zur Frühgeschichte der Menschheit wird durch die Funde in den Pinnacle-Point-Höhlen in der Nähe von Mossel Bay bereitgestellt. Hier entdeckten Forscher über 1800 Steingeräte sowie zahlreiche Pigmentstücke und Muschelschalen, die das frühzeitliche Verhalten von Homo sapiens beleuchten. Diese Artefakte datieren auf etwa 164.000 Jahre und zeigen, dass die Menschen in dieser Zeit bereits Pigmente verwendeten und Meeresfrüchte als Nahrungsquelle nutzten.

Die Ergebnisse der Funde in den Pinnacle-Point-Höhlen, die 2007 wissenschaftlich beschrieben wurden, belegen somit eine kulturelle Komplexität, die bis zu 150.000 Jahre zurückreicht. Diese Erkenntnisse widersprechen der Hypothese, dass modernes menschliches Verhalten erst vor 45.000 Jahren auftrat.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Entdeckungen in Jojosi und den Pinnacle-Point-Höhlen neue Einblicke in die frühen menschlichen Gesellschaften und deren Fähigkeiten zur Ressourcennutzung gewähren. Diese Studien werfen ein neues Licht auf die Lebensweise und Kultur der Menschen in der Steinzeit.