Am 14. Februar 2026 nimmt das Institut für Planung des öffentlichen Verkehrs an der Technischen Universität Braunschweig unter der Leitung von Professor Alejandro Tirachini eine zentrale Rolle ein. Tirachini, der im September 2025 die Leitung übernahm, bringt umfassende internationale Erfahrungen in der nachhaltigen Mobilität und der Planung öffentlicher Verkehrssysteme mit. Sein akademischer Werdegang umfasst ein Masterstudium in Chile und eine Promotion in Sydney sowie zuletzt Lehrtätigkeiten in den Niederlanden.
Tirachini betont, dass die grundlegenden Prinzipien des öffentlichen Verkehrs – Mobilität für alle, effiziente Raumnutzung sowie Umweltfreundlichkeit – weltweit identisch sind. Dabei unterscheiden sich jedoch die Umsetzung und die politische Relevanz dieser Prinzipien, die stark von sozialen Werten und finanziellen Rahmenbedingungen abhängen. In Deutschland ist der öffentliche Nahverkehr gut ausgebaut, dennoch gibt es gravierende Herausforderungen, insbesondere im Bereich der Zuverlässigkeit des Fernverkehrs.
Die Herausforderungen des Verkehrssektors
Die Umweltbelastungen durch das Verkehrssystem in Deutschland sind erheblich. Der Verkehrssektor ist für rund ein Fünftel der gesamten Treibhausgasemissionen verantwortlich, was laut dem Umweltbundesamt einen jährlichen Ausstoß von etwa 165 Millionen Tonnen CO2 im Jahr 2019 bedeutete. Trotz moderner, sauberer Fahrzeuge bleibt der motorisierte Verkehr eine der Hauptquellen für Emissionen, Lärm und Ressourcenverbrauch. Die Bundesregierung hat sich ehrgeizige Ziele gesetzt: bis 2030 sollen die Treibhausgasemissionen im Verkehrsbereich von 146 Millionen Tonnen CO2-Äquivalent auf 85 Millionen Tonnen gesenkt werden, mit dem langfristigen Ziel der Treibhausgasneutralität bis 2045.
Besonders bemerkenswert ist, dass der motorisierte Individualverkehr 75 % der Personenkilometer ausmacht und in den letzten Jahren einen Anstieg der Fahrleistungen um rund 30 % verzeichnete. Dies steht im Widerspruch zu den Zielen einer nachhaltigen Verkehrswende. Tirachini sieht Verbesserungspotenzial in der Netzplanung insbesondere in Vororten sowie der Einführung flexibler Verkehrsdienste in ländlichen Gebieten.
Der Weg zu mehr Nachhaltigkeit
Um eine nachhaltige Verkehrswende zu erreichen, ist ein integrierter Ansatz erforderlich. Dies umfasst nicht nur technische Innovationen, sondern auch nicht-technische Maßnahmen wie bessere Siedlungs- und Verkehrsplanung sowie wirtschaftliche Anreize. Der Fokus sollte auf der Vermeidung von Verkehr, der Verlagerung auf umweltfreundliche Verkehrsträger und der Erhöhung der Energieeffizienz liegen. Tirachini und seine Forschung konzentrieren sich auf die Entscheidungsmechanismen, die den öffentlichen Verkehr sowie die Kombination mit nachhaltigen Verkehrsmitteln wie Fahrradverleih und Carsharing beeinflussen.
Die Nutzung neuester Technologien, wie Künstlicher Intelligenz, zur Optimierung von Verkehrsnetzen, insbesondere in Regionen mit niedriger Nachfrage, könnte ein entscheidender Schritt in Richtung eines effizienteren und umweltfreundlicheren öffentlichen Verkehrs sein. In diesem Kontext zeigt sich auch die Notwendigkeit eines tiefgreifenden Wandels in der Mobilitätsbranche, um die Klimaziele zu erreichen und gleichzeitig die Gesundheit und soziale Teilhabe zu fördern.
Auf lange Sicht ist die Reduzierung der Energienachfrage im Verkehrssektor unerlässlich. Während Elektrofahrzeuge mittlerweile fast 30 % der Neuzulassungen ausmachen, bleibt der Bestand an emissionsarmen Fahrzeugen weiterhin gering. Der Modal Split hat sich in den letzten 20 Jahren wenig verändert, und der motorisierte Individualverkehr bleibt dominant. Der Bundesverkehrswegeplan sieht beträchtliche Investitionen in den Straßen- und Schienenausbau vor; dennoch sind weitere Mittel nötig, um die Instandhaltung und den Ausbau des öffentlichen Verkehrs sicherzustellen.
Die Herausforderung der Verkehrswende erfordert kollektives Engagement auf allen Ebenen. Tirachini beschreibt seinen Arbeitsalltag mit den Schlagworten „Engagement, Zusammenarbeit und Hoffnung“. In einer Zeit, in der die Klimakrise immer drängender wird, bleibt der öffentliche Verkehr eine Schlüsselressource für die Erreichung der Nachhaltigkeitsziele.
Insgesamt zeigen die Herausforderungen und potenziellen Lösungsansätze, dass die Zukunft der Mobilität nicht nur eine Frage technischer Innovation, sondern auch eine Frage des gesellschaftlichen Wandels ist. Der Ausbau des öffentlichen Verkehrs und die Förderung des Radverkehrs können entscheidend dazu beitragen, eine nachhaltige, umweltfreundliche Mobilität zu gewährleisten.
TU Braunschweig berichtet, dass die Mobilität ein zentrales Thema für Teilhabe und wirtschaftlichen Austausch darstellt. Das Umweltbundesamt hebt die Notwendigkeit ambitionierter Maßnahmen hervor, während die Bundeszentrale für politische Bildung die Rolle einer tiefgreifenden Transformation der Mobilitätsbranche betont.