Ein internationales Forschungsteam der Technischen Universität München (TUM) hat die Auswirkungen von Waldbränden, Stürmen und dem Borkenkäfer auf europäische Wälder bis zum Jahr 2100 untersucht. Die Ergebnisse zeigen, dass die geschädigte Waldfläche im besten Szenario deutlich ansteigen wird. In einem pessimistischen Szenario, bei dem die Erderwärmung über 4 Grad Celsius steigt, könnte sich die Waldschäden bis 2100 sogar verdoppeln.
Die Studie dokumentiert bereits vorhandene Waldschäden in Mitteleuropa der letzten Jahre. Dabei ist das Absterben von Bäumen ein natürlicher Teil der Waldentwicklung, doch das derzeitige Ausmaß dieser Schäden ist neu. Störungen beeinflussen nicht nur die Kohlenstoffspeicherung und Holzproduktion, sondern auch die Artenvielfalt in den Wäldern, und die Forschungsergebnisse sind für Politik und Gesellschaft von großer Relevanz.
Waldschäden im Kontext des Klimawandels
Die Studie des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) warnt vor zunehmenden Waldschäden in Europa und prognostiziert, dass die Schäden bis 2100 um 20 Prozent ansteigen könnten, selbst bei einer Erderwärmung von 2 Grad Celsius im Vergleich zur vorindustriellen Zeit. Jährlich könnten bis zu 216.000 Hektar Waldfläche geschädigt werden, wobei die zunehmenden Schäden durch Brände, Stürme und den Borkenkäfer besonders Süd- und Westeuropa betreffen werden. Auch Nordeuropa könnte Hotspots mit erhöhtem Schadensrisiko erleben.
Das Absterben von Bäumen wird zum Teil durch äußere Faktoren wie Hitze und Wassermangel verstärkt. Dies schwächt die Bäume, wodurch sie weniger Harz produzieren und anfälliger für Schädlinge wie den Borkenkäfer werden. Dadurch wird zudem die Kohlenstoffaufnahme der Wälder verringert, was den Druck auf andere Sektoren, wie Verkehr und Landwirtschaft, erhöht, ihre Emissionen schneller zu senken.
Zukünftige Wälder: Ein Wandel der Artenvielfalt
Modellrechnungen der TUM zeigen, dass Brände und Schädlingsbefall in den Wäldern Europas bis 2100 stark zunehmen könnten. Im Worst-Case-Szenario wird ein Anstieg der Schäden durch Brände und Insekten von mehr als 100 % und durch Sturmschäden um 20 % prognostiziert. Schadfaktoren treten oft kombiniert auf, was die Auswirkungen auf die Waldbestände verstärken könnte. Der Wald der Zukunft wird lichter sein, mit kleineren, hitze- und trockenheitsresistenten Bäumen wie Douglasien und Zedern, die die gegenwärtigen Baumarten wie Fichte und Buche ersetzen könnten.
Waldforscher empfehlen, Mischwälder mit verschiedenen Baumarten zu fördern, um das Risiko von Schadereignissen zu minimieren. Während die Wälder sich an den Klimawandel anpassen, wird es in diesen lichteren Wäldern weniger Pilzarten geben, dafür jedoch mehr Greifvögel und Wildschweine.
Die wirtschaftlichen und ökologischen Abhängigkeiten der Menschen von Wäldern sind enorm. Waldschäden könnten die Holzindustrie und Waldbesitzer bis zu 250 Milliarden Euro kosten. Zudem stellen Wälder wichtige Wasserreservoire dar: In Deutschland stammen etwa 70 % des Trinkwassers aus Grund- und Quellwasser. Alarmierend ist, dass der deutsche Wald bereits mehr CO2-Gase freisetzt als er absorbiert, und diese Situation könnte sich durch den Klimawandel weiter verschärfen. Klimaschutz spielt daher eine entscheidende Rolle für den Erhalt der Wälder.
Abschließend betont die Studie, dass eine Begrenzung der Klimaerwärmung auf 2 Grad Celsius eine Erholung der Wälder ab Mitte des Jahrhunderts ermöglichen könnte. Dies stellt eine wesentliche Herausforderung für die Gesellschaft dar, die die interdependenten Aspekte von Klimaschutz, Waldschutz und ökologischen Gleichgewichten berücksichtigen muss. Die Relevanz dieser Ergebnisse wurde auch von Tagesschau aufgegriffen, die den Kontext und die langfristigen Auswirkungen des Klimawandels auf unsere Wälder hervorhebt.