Am 17. März 2026 wird Bernd Greiner, ein renommierter Historiker und Gründungsdirektor des „Berliner Kollegs Kalter Krieg“, sein neues Buch „Weißglut – Die inneren Kriege der USA“ im Zentrum für Kulturwissenschaftliche Forschung Lübeck (ZKFL) vorstellen. Die Veranstaltung beginnt um 19 Uhr und wird in Kooperation mit dem Haus der Kulturen organisiert. Der Eintritt ist frei, und die Buchhandlung maKULaTUR wird vor Ort einen Büchertisch anbieten. Greiners Buch untersucht intensiv die politischen und gesellschaftlichen Probleme in den USA, mit einem besonderen Fokus auf Lügen, Denunziation und Intoleranz.
Greiners Analyse erstreckt sich über die letzten hundert Jahre und beleuchtet die Wurzeln des MAGA-Movements sowie die tief verwurzelte politische Kultur der USA. Sein Werk wird von der Kritik als essenziell für das Verständnis der gegenwärtigen gesellschaftlichen Konflikte in den Vereinigten Staaten angesehen. Greiner selbst betont, dass sein Buch keine Untersuchung über Donald Trump ist, sondern vielmehr eine Geschichte über die Verschärfung sozialer Spannungen und die daraus resultierenden Konflikte liefert. In den Mittelpunkt stellt er das „Gut-gegen-Böse“-Denken in der amerikanischen Gesellschaft.
Ursprünge der gesellschaftlichen Gewalt
Im Kontext seiner Forschung sieht Bernd Greiner die Ursprünge der gesellschaftlichen Gewalt im so genannten „Gilded Age“ des späten 19. Jahrhunderts. Während dieser Zeit wurden Arbeiterbewegungen brutal unterdrückt, und private Wachtruppen wie die „American Protective League“ verfolgten Sozialisten und Gewerkschaftler unter Einsatz von Einschüchterung. Greiner deutet an, dass diese Entwicklungen einen stetigen Einfluss auf die politische Kultur der USA hatten, die bis heute nachwirkt. In seinem Buch zieht er eine Kontinuitätslinie von den Vigilanten des 19. Jahrhunderts bis zu den rechten Milizen, die während der Kapitol-Attacke am 6. Januar 2021 aktiv waren.
Zusätzlich analysiert er, wie Rechte Populisten gesellschaftliche Klassenkämpfe in Kulturkriege umwandeln und dabei politische Unterstützung gewinnen. Diese Beobachtungen sind besonders relevant, wenn man die Reaktionen auf aktuelle gesellschaftliche Konflikte, wie die Auseinandersetzungen um Bürgerrechte, betrachtet. Der Kampf der Afro-Amerikaner um Gleichheit und Anerkennung, der sich in der Bürgerrechtsbewegung manifestierte, wird in Greiners Betrachtungen als Teil eines größeren Rahmens von Diskriminierung und Intoleranz dargestellt.
Der Einfluss der Bürgerrechtsbewegung
Die Bürgerrechtsbewegung der 1960er Jahre, die durch Persönlichkeiten wie Martin Luther King Jr. geprägt wurde, war ein wichtiger Wendepunkt in der amerikanischen Geschichte. Diese Bewegung versuchte, die tief sitzenden rassistischen Vorurteile zu bekämpfen und förderte den gewaltlosen Widerstand gegen Diskriminierung. Die Initiativen mit dem Bus-Boykott in Montgomery und dem Marsch auf Washington für die Bürgerrechte sind zentrale Bausteine dieser Bewegung, die bis zur Verabschiedung des Bürgerrechtsgesetzes von 1964 und des Wahlrechtsgesetzes von 1965 führten. Trotz dieser Fortschritte blieb die Rassentrennung und Diskriminierung auch nach den gesetzgeberischen Veränderungen bestehen, was den anhaltenden Charakter der Kämpfe um Gleichheit beleuchtet.
Der Veteranenverband „American Legion“ spielte eine zentrale Rolle im Kampf gegen innere Feinde und ist ein weiteres Beispiel dafür, wie politische Bewegungen sich im Spannungsfeld zwischen Patriotismus und Intoleranz bewegen. Die religiöse Rechte formierte sich in den 1970er Jahren als Antwort auf den Liberalismus und Säkularismus, was die Konflikte weiter zuspitzte.
Greiners Werk wird als eine bedeutende Analyse der Wurzeln des Hasses und der gesellschaftlichen Spaltungen in den USA angesehen. Hierbei wird deutlich, dass die Herausforderungen für die amerikanische Demokratie nicht nur von aktuellen Politikern, sondern tief in der Geschichte der USA verwurzelt sind. Im Kontext der vorherrschenden politischen Lage ist das Verständnis dieser Dynamiken relevanter denn je, da sie auch Auswirkungen auf andere Demokratien weltweit haben könnten.